Passanten, Teil VIII

Eingetragen am Mo, 3. August 2009 um 11:54:01 Uhr von Maori.

In meinem Alter erlebt man ja nichts mehr, ne? Also ganz ehrlich, zwischen Schule und Rente rennt man nur von A nach B, C ist nur für den Urlaub gedacht, obwohl Urlaub mit U anfängt und eine entsprechende Benennung die Sache vereinfachen würde. Aber wenn man von Einfachheit spricht, darf man erst gar nicht mit A und B anfangen, sondern spricht gleich von Wohnung und Arbeitsplatz. Und wenn man jetzt bedenkt, dass A für die Wohnung mit W und B für den Arbeitsplatz mit A steht, weiß man, dass man eigentlich von A nach A rennt, so tritt man praktisch gut 50 Jahre lang auf der Stelle. Abgesehen davon, wie soll sich bei diesen Gegebenheiten der Horizont erweitern? Ja, Scheiße. Egal. Jedenfalls habe ich in letzter Zeit feststellen müssen, dass Urlauber eine Spur schlimmer sind als stinknormale Passanten.

Beispiel U-Bahn: Der Passant steigt aus der U-Bahn und bleibt stehen, blickt nach rechts, blickt nach links, trifft gemächlich eine grobe Richtungsentscheidung und beginnt schließlich, sich zu bewegen. Der Urlauber steigt aus der U-Bahn, bleibt stehen – und wartet (!) auf seine Begleiter. Die aber nicht aussteigen können, weil ihr eigener Mann im Weg steht. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Typ, der in der Tür stehenbleibt und auf Leute wartet, die durch diese Tür müssen. Sensationell, so etwas kann man sich nicht einmal ausdenken. Noch geiler sind die, die einsteigen und stehenbleiben, um auf den Fahrplan an der Decke zu gucken. Hinter dem Planlosen stauen sich diejenigen, die liebend gerne mitfahren würden. Ich habe Hamster gesehen, die sich cleverer verhalten haben.

Beispiel Hafen: Der Passant trottet gemächlich vor sich her, sehr gemächlich, aber das ist ja auch irgendwo in Ordnung, schließlich ist der Hafen der Hafen. Wer schon einmal hier war, weiß, dass das so ist. Also der Hafen der Hafen. Und schön. Aber der Urlauber macht das Ganze erst spannend. Urlaber beherrschen die Kunst, mit wenigen Personen eine maximale Blockade zu erzielen. Zunächst geht es denen mal dezent am Arsch vorbei, ob sie zu zweit oder zu sechst sind: immer schön nebeneinander. Schlimm sind die mit identischen T-Shirts, aber das ist ein anderes Thema. Ich frage mich wirklich, wieso Gruppen aufgereiht nebeneinander am Hafen entlanggehen müssen. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn! Nebeneinander! Wir sind hier doch nicht vor nem scheiß Länderspiel. Und dann die Abstände zwischen den einzelnen Personen: immer genau soviel, dass niemand durchpasst. Deshalb freue ich mich immer wie Bolle, wenn einer Urlaubergruppe eine andere entgegenkommt. Das ist praktisch wie die Nummer mit den Spaniern, die auf der steinernen Brücke nach Tenochtitlán mit den Aztekenkriegern zusammentrafen, wobei streng genommen die Azteken Passanten waren und keine Urlauber, aber das nur nebenbei. Das macht rumms, und dann denkt man, aha, Hamburg, ein Erdbebengebiet.

Übrigens kommt das alles daher, dass Urlauber sich im Urlaub wähnen (Wieso wähnen? Die sind im Urlaub, Mensch …) und einfach mal das Hirn abschalten. Deshalb bringt das ja auch nichts, im Urlaub ins Museum zu gehen. Habe ich schon so oft gemacht, aber was dann hängen bleibt ist nicht einmal mit dem Wort „dürftig“ treffend beschrieben. So entsteht Halbwissen, meine Damen und Herren, und dann sitzen Sie bei Günther Jauch und denken sich, ach das, das weiß ich doch, das habe ich doch mal in Kairo im Nationalmuseum gesehen, aber Arsch lecken, zack, und dann gehen Sie mit € 500 und viel Hohn und Spott nach Hause. Geht schneller als Sie denken. Wie dem auch sei, vielleicht sollte man als Urlauber grundsätzlich Baustellen meiden. Wie überall in Deutschland wird auch in Hamburg gerade wie blöde gebaut. Während Passanten gerade noch so den Weg durch den Bauschutt finden, laufen Urlauber auch mal völlig stumpf und ohne mit der Wimper zu zucken gegen fahrende Autos. Ich meine, Baustelle hin oder her, wenn da ein Auto kommt, weiß ich doch: ich kann nicht gewinnen, da laufe ich mal besser nicht gegen. Japaner haben dieses Problem schon vor Jahrzehnten eliminiert: durch Reisegruppen. 20 bis 30 Urlauber laufen einer arbeitenden Person hinterher, nämlich der Reiseleiterin. Klappt aber nur, wenn es sich um so kleine Menschen wie Japaner handelt. Gewaltig proportionierte US-Touristen kommen einer zierlichen Reiseleiterin schnell abhanden, und dann geht der Ärger von Neuem los.

Übrigens habe ich letztens mal einen süddeutschen Reiseleiter getroffen, der ein älteres Ehepaar suchte – um ungefähr 23 Uhr am Hafen. Blöderweise langweilten sich die anderen älteren Ehepaare im Bus so sehr, dass sie begannen, auf eigene Faust zu suchen. Ich glaube, der Reiseleiter war bis um 3 Uhr nachts unterwegs, um die ganzen entlaufenen älteren Ehepaare wieder einzufangen. Aber das, meine Lieben, ist eine völlig andere Geschichte.

Durchdrehtrend

Eingetragen am Mo, 27. Juli 2009 um 16:53:19 Uhr von Maori.

Hmm, so auf den ersten Blick könnte man „durchdrehend“ oder „durchtretend“ lesen, aber nein, darauf wollte ich jetzt nicht hinaus. Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit sehr viele Menschen in aller Öffentlichkeit durchdrehen. Natürlich spielen diverse B-, C-, F- und H-Promis ihre Rollen, beispielsweise die Winehouse, aber das sind ja eher harmlose Späße. Nein, ich meine die Schweizer Idioten, die in München einfach mal so ein paar Leuten in die Fresse gehauen haben. Ich meine den Typen, der vor Wut sein eigenes Haus angezündet hat. Ich meine den Typen letztens bei uns vor der Firma, der einen Autofahrer aber so dermaßen angebrüllt hat, dass ich Angst um seine Lungenstabilität bekam.

Einerseits bewirkt die totale Vernetzung der Welt, dass ich jederzeit alle Ausraster von Australia bis Austria mitbekomme – andererseits fallen mir aber immer mehr unkoordinierte Verhaltensstörungen (ist das doppelt gemoppelt?) im Alltag auf. Saugeil finde ich die Alte, die manchmal mit ihrem doofen Hund an meiner Wohnung vorbeispaziert. Der Hund bellt halt mal gerne, wenn ein anderer Hund in der Nähe ist. Und da bei uns andauernd andere Hunde in der Nähe sind, bellt der Hund der Alten natürlich auf Schritt und Tritt wie ein geistesgestörter Bastard. Jetzt denken Sie sich: Schuld ist nur das Frauchen allein. Richtig. Denn was macht die Alte, wenn der Hund anfängt wie Klaus Kinski abzugehen? Richtig: Sie schreit den Hund an, er solle nicht so doof rumbellen. Im Endeffekt werde ich also an einem Sonntagmorgen von zwei wie bescheuert bellenden Hunden und einer wie bescheuert brüllenden Frau geweckt. Ein Traum.

Früher dachte ich ja, die Hanseaten seien gelassen. Entspannt. Nordisch kühl. Keine Ahnung, ob die vielen Zugezogenen den hanseatischen Genpool verwässert haben, jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn sich ein Hamburger in Rage geredet hat, dann stoppt den weder Ochs noch Esel, frei nach Honecker. Eine weitere Möglichkeit neben der Genpool-Sache wäre eben die permanente Verfügbarkeit weltweiter Ausraster, die wiederum die eigentlich kühlen Hanseaten zur Nachahmung inspirieren. Denn eines müssen wir doch zugeben: Ausrasten macht Spaß. Ob Uli Hoeneß oder Rudi Völler, die machen das ja nicht, weil sie sich so dolle aufregen. Nein. Wer möchte denn nicht gerne mal herumbrüllen? Mal als so richtig gefährlich gelten? Und wenn man fertig ist, ab damit auf YouTube. Kein Trend ohne Gegentrend, klar, aber mittlerweile sind Trends so kurzlebig, dass sie sich mit Gegentrends und Gegen-Gegentrends überschneiden. Am Ende kommt dann irgendso ein Wust raus, bei dem man nicht mehr weiß, was richtig oder falsch ist.

Und die Moral von der Geschicht’? Einfach mal weniger ans Ausrasten denken. Stattdessen mal was echt Leckeres essen. Essen ist eh viel geiler als Ausrasten, ich sag’s Ihnen.

Leben oder sterben lassen?

Eingetragen am Do, 23. Juli 2009 um 9:59:16 Uhr von Maori.

In England hat sich ein 22jähriger totgesoffen. Ihm wurde eine Spenderleber verweigert – eben wegen seines Alkoholismus; da sind die Briten rigoros. Nun beklagt sich die Mutter über die Ungerechtigkeit, und muss sich doch die Kritik anhören, zumindest teilweise mitschuldig zu sein. Schließlich war der Sohnemann seit dem 13. Lebensjahr (oder noch früher) exzessiver Trinker – ich kenne die Umstände nicht, in der Mutter und Sohn lebten. Aber die Frage sei gestellt, wieso der 22jährige eine rare Spenderleber verdient hätte – mehr als jemand, der vielleicht an einer angeborenen Leberkrankheit leidet.

Ethisch ist die Sache relativ klar: ein Menschenleben darf man nicht werten, egal ob es sich um einen Kinderschänder, einen Shaolin oder deine Mudder handelt. Menschenleben ist Menschenleben, das eine so schützenswert wie das andere. Behinderte ebenso wie Verwaltungsbeamte. In diesem Fall hätte der junge Mann eine neue Leber und damit eine zweite Chance erhalten müssen, vorausgesetzt, es hätte ein geeignetes Spenderorgan gegeben. Möglicherweise hätte er weitergesoffen und auch die zweite Leber kaputtgetrunken, während irgendwo anders ein kranker Mensch mangels Spenderleber gestorben wäre. Möglicherweise hätte er aber auch angsichts des knappen Überlebens seine Lebensweise geändert, wäre vielleicht Arzt geworden – und hätte vielleicht nach Feierabend Suppen an Obdachlose verteilt. Man weiß es nicht.

Ein anderer Standpunkt ist folgender: Der Junge hatte 9 Jahre Zeit, sich Gedanken über seine Lebensweise zu machen. Mittlerweile – in einer relativ aufgeklärten Welt – sollte jeder Arsch wissen, was Alkoholismus so alles im Körper anstellt. Er hatte die Wahl, mit dem Trinken aufzuhören, und hat trotzdem weitergesoffen. Natürlich ist irgendwann die Leber kaputt, nicht umsonst enthält jeder dritte Säuferspruch das Wort „Leber“. Hat so jemand eine Spenderleber verdient? Die Frage stellt sich – ich kann es, siehe zweiter Abschnitt, nicht wirklich beantworten. Pauschal zu urteilen fällt immer leicht, ist aber selten richtig. Man muss die Umstände kennen – ich kenne sie nicht. Was meinen Sie denn so?

Kommentar-Kommentar

Eingetragen am Fr, 26. Juni 2009 um 12:29:06 Uhr von Maori.

Vor einigen Jahren, es müsste 1977 gewesen sein, habe ich mich fürchterlich über die Kommentatoren auf stern.de aufgeregt. Unter den ganzen Boulevard-Geschichten wie beispielsweise der Hochzeit von Boris Becker reihen sich Kommentare mit dem Inhalt: „Wieso begibt sich Stern auf das Niveau?“ Daraus kann man dann auch rasch schließen, dass eben die Leute, die angeblich über mehr Niveau verfügen (Selbsteinschätzung), auf solche Artikel klicken. Sie dürften also die Letzten sein, die sich darüber beschweren.

Noch viel besser finde ich aber die Aggressivität der Kommentatoren – und das ist mir auch schon auf anderen Websites aufgefallen. Bei mir, okay, das kann ich gut verstehen, schließlich pöble ich den ganzen Tag herum wie der Rohrspatz himself. Aber auf 11freunde.de zum Beispiel gibt es einige, die ausschließlich darauf aus sind, bestimmte Artikel niederzumachen und herumzumosern. Dabei könnte man doch genauso gut Korrekturen auflisten, ohne gleich beleidigend zu werden. All diese Webangebote sind kostenlos – und nur weil man sich drei Banner angucken muss, heißt das noch lange nicht, dass man das Recht auf das Beste vom Besten hat. Um ehrlich zu sein, Leute, die unter einem Artikel über Hauptschulen gegen Multikulti wettern, haben meiner Meinung nach maximal die Menschenrechte (kein Folter und der ganze Kram) verdient, aber wohl keinen einzigen vernünftigen Artikel. Über die rege ich mich ja besonders auf: Leute, die ihr „Wissen“ von „Richter Alexander Hold“ und „Frauentausch“ „holen“, und dann auf dicke Hose machen. Das Mittelmaß-Volk im Vollrausch.

Wie lautet das Fazit? Anonymität fördert Idiotie. Intelligenter werden Gespräche dadurch ganz bestimmt nicht. Im wahren Leben muss man Konfrontationen fürchten und ist zu Kompromissen bereit, außerdem wird vis-a-vis das Ausweichen erschwert, falls man sich zu sehr in die Ecke gedrägt fühlt. Im Internet ist es ein Leichtes, in die Runde zu pöbeln und dann das Weite zu suchen – ohne Konsequenzen. Einfach mal in die Runde kotzen, Hauptsache was gesagt. Sogar auf Spiegel Online lassen sich die Leute gehen (auch darüber habe ich mal gepöbelt). Ich wünsche mir auf den Websites der Weltpresse mehr Höflichkeit. Bitte.

Gedankengedanken

Eingetragen am Mi, 17. Juni 2009 um 10:43:16 Uhr von Maori.

Mir ist mal wieder etwas aufgefallen, über das ich unbedingt schreiben muss. Vielleicht, um es mir selbst vor Augen zu führen, jedenfalls habe ich gestern – zum wiederholten Male – erlebt, wie ein bärtiger (vermutlich) Obdachloser allein vor sich hin redete. Ja, er stieg mitsamt seinem Einkaufswagen plus Sack und Pack in die U-Bahn, verfluchte die Welt ob des Höhenunterschiedes zwischen Bahnsteig und Bahnwaggon, und redete während der Fahrt vor sich hin. Er sprach auch einige Leute an, die sich aber belästigt fühlten und ihn ignorierten. An den Gesichtern meiner Mitfahrer bemerkte ich, dass einige von ihnen am Geisteszustand des Obdachlosen zweifelten. Der Yuppie im Sakko lächelte kopfschüttelnd, die junge Dame blickte – die Nase rümpfend – aus dem Fenster, zwei junge Muskelpakete lachten und flüsterten sich gegenseitig die härtesten Witze zu. Nun denn, heute Morgen hörte ich Rücken an Rücken hinter mir eine ältere Dame reden. Sie beschwerte sich über Möbelwerbung, die Möbel zeigen („Die müssen doch merken, dass die Leute sich so was nicht leisten können …“), oder über Joghurt, der nur 14 Tage haltbar ist. Nach einer Weile dachte ich, die gute Frau hätte einen an der Klatsche, bis – ja, bis ein älterer Mann ihr antwortete, wahrscheinlich ihr geduldiger Ehemann. Und schon dachte ich, aha, die Frau ist wohl so, ganz normal halt. Zwar nicht unbedingt die Megaleuchte, aber doch noch bei Verstand. Was also macht den Unterschied aus? Dass sie nicht allein vor sich hin gebrabbelt hat, sondern mit jemandem eine Unterhaltung führte? Macht das schon den Unterschied zwischen Schwachsinn und Unfug aus? Was ist mit dem Obdachlosen von gestern? In der Bahn verhalten sich einige von ihnen überkommunikativ, aber untereinander reden sie völlig gewöhnlich miteinander. Hmm, wieso bin ich heute so ernst? Ich glaube, das Thema wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Der Hass-Säer

Eingetragen am Di, 16. Juni 2009 um 12:52:39 Uhr von Maori.

Laut einer Umfrage ist Werder Bremen (angeblich) der beliebteste deutsche Fußball-Bundesligist. Wer soll das denn bitte glauben? Vor zwei, drei Jahren noch, okay, aber jetzt? Wenn es um Fußball geht, hören Freundschaften auf – daher darf das folgende Ranking nicht kommentiert werden. Meine persönliche Rangliste der Bundesligaclubs nach Beliebtheit – bei mir selbst natürlich.

FC Schalke 04
Mein Verein, daher nicht verwunderlich.

1. FC Nürnberg
Die einzig wahre Fan-Feundschaft, daher nicht verwunderlich.

SC Freiburg
Solide geführt, backen auf Sparflamme immerzu ziemlich dicke Brötchen. Sehr sympathisch.

1. FSV Mainz 05
Ebenfalls sympathisch, nehmen sich nicht allzu ernst. Vor allem die Fans.

VfL Borussia Mönchengladbach
Ja, irgendwie eine dahin siechende Bande, die Gladbacher. Aber in der letzten Saison mit viel Arsch in der Hose den Klassenerhalt geschafft. Wünsche mir für die Mannschaft, dass sie mehr Gesicht bekommt. Die Fans sind CL-reif.

Bayer 04 Leverkusen
Einst nur Werkself, seit der deutlichen Verjüngung und der Stabilisierung der kleinen, aber feinen Fangemeinde ein grundsolider, angenehmer Club. Nur leider für Schalke immer wieder ein Angstgegner. Egal, das schmälert die Sympathie meinerseits nicht.

VfL Wolfsburg
Auch einst nur Werkself, in der letzten Saison seit dem Spiel gegen die Bayern beeindruckend. Auch die Fanschar wird immer größer – bei der Meisterfeier waren knapp zweieinhalbmal mehr Menschen dabei als bei der des „Traditionsvereins“ SV Werder 03/04. Hat Respekt verdient.

Hamburger SV
War mal sympathischer, zurzeit eine ziemlich charakterlose Mannschaft. Die Niederlagen gegen Werder Bremen symptomatisch – einfach peinlich. Das Problem liegt in der Clubführung, ganz eindeutig.

VfL Bochum
Momentan etwas blass, aber hält sich zwischen den Ruhrpott-Fußballgiganten ziemlich solide im Oberhaus. Immer wieder beeindruckend, wie die uns in die Meisterschaftssuppe spucken. Respekt.

TSG 1899 Hoffenheim
Hinrude top, aber dann ging Ibisevic und kam Sanogo. Hahahahaha! Scheiße, was?

SV Werder Bremen
Sehr solide geführter Club, Allofs und Schaaf leisten sensationelle Arbeit. Leider sind die Fans zum Großteil echt scheiße geworden. Wieso ist das so, liebe Bremer? Früher wart ihr wesentlich entspannter.

FC Bayern München
Inzwischen kein Hassclub mehr. Aber unter Klinsi zerschrottet. Es könnte das Ende der erfolgreichen Bayern-Ära sein – aufpassen, dass aus dem großen FCB kein Durchschnittsclub wie Ajax Amsterdam wird.

Hannover 96
Gesichtslos. Einfach keine Eier. Das einzig Gute an 96 ist Robert Enke.

VfB Stuttgart
Die „jungen Wilden“ waren sympathisch, man hat ihnen gern die Daumen gedrückt. Leider wird der Club nicht wirklich solide geführt (im Vergleich zu Schalke zwar schon, aber trotzdem!), so dass sich nur kurzfristige Erfolge einstellen – siehe das total peinliche Abschneiden vor 2 Jahren in der CL. Oh Gott, war das schlimm. Und dann die „Fans“, ach herrje …

Hertha BSC
Für mich immer noch ein Haufen Dreck. Mit Modefans verseuchter, schlecht geführter Hauptstadtclub. Der einzige Lichtblick: Lucien Favre.

1. FC Köln
Ich kann nicht wirklich begründen, wieso ich Köln nicht besonders mag. Vielleicht liegt’s am Größenwahn. Enormes Potential, dass in den letzten Jahrzehnten brach lag. Sägt mal euren Vorstand ab, wir versuchen es gerade mit unserem.

Eintracht Frankfurt
Unsympathisch wie kaum etwas. Schrecklich. Noch so ein Kandidat mit enormem Potential, aber brachial schrottiger Führung. So eine gesichtslose Mannschaft gab es selten in der Liga (Cottbus ist ja jetzt weg vom Fenster). Außerdem habt ihr fast so asoziale „Fans“ wie wir. Schrecklich.

Einer fehlt noch, sagt da jemand. Ich sage: nein, ist schon richtig so.

Schirm ade. Du Arsch.

Eingetragen am Do, 11. Juni 2009 um 10:02:42 Uhr von Maori.

Obwohl ich mir schon mehrmals dachte, dass das irgendwann passieren würde – geändert habe ich nichts an meinem Verhalten. Heute Morgen habe ich meinen Regenschirm in der U-Bahn vergessen. Merkwürdig, dass ich so sehr drüber nachdenken muss. Das Teil war praktisch wertlos, schloss nicht mehr richtig (Hamburger Wind, Sie verstehen) und Marke TCM (Tchibo). Und als ich aus der Bahn stieg, hatte es aufgehört zu regnen. Vielleicht werde ich heute Mittag in die Stadt gehen und einen neuen Schirm kaufen. Auch wenn ich da überhaupt keine Lust zu habe. Heute Morgen nahm ich meine neue Sonnenbrille in Empfang; eine Nachbarin im Morgenmantel mit einem Kind auf dem Arm und einem iPhone auf dem E-Piano hatte es für mich angenommen. Warum sie mich so derbe anlächelte weiß ich nicht, schließlich habe ich selbst – frisch aufgestanden – geguckt wie ne Tonne Pestizide, außerdem sehe ich mit meinen kurzen Haaren doch echt kacke aus. Wie dem auch sei, die neue Sonnenbrille ist lustig. Mit langen Haaren sieht man meine Augenbrauen nicht, aber jetzt prangen sie praktisch mitten im Gesicht. Na ja, nicht ganz mittig, aber doch auffälliger als Waldo in den meisten Bildern. Jedenfalls: wenn ich die neue Sonnenbrille aufsetze, pappen meine Augenbrauen genau über den Gläsern, und es sieht so aus, als hätte die Brille Rundgläser. Ha! Und wenn ich meine Augenbrauen bewege, habe ich voll die dynamischen Sonnenbrillengläser. Geil, was? Und jetzt frage ich Sie: Gehen mir die Themen aus? Habe ich sie noch alle? Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Antworten bis zum 31.12.2009 an RTL.

Skalieren 30 %

Eingetragen am Di, 2. Juni 2009 um 11:38:33 Uhr von Maori.

Wer mich kennt, weiß bescheid. Also, wieso ich jetzt über folgendes Thema schreibe: Menschen mit unterschiedlichen Volumen. Wenn Sie so nett wären, sich kurz umzuschauen und nicht allein zu sein, werden Sie schnellstens feststellen, dass Menschen niemals gleich aussehen – zugegeben, Ausnahmefälle gibt’s immer. Aber bei manch einem Zeitgenossen fragt man sich, ob er zur selben Tierart gehört wie man selbst. Beispielsweise sind manche Menschen über zwei Meter groß und drei Zentner schwer, andere hören bei 1,44 auf zu wachsen und wiegen gerade einmal 38 kg. Würden Archäologen in zwei Millionen Jahren die Skelette der beiden aus dem Boden buddeln, sie würden sicherlich von zwei unterschiedlichen Gattungen, Familien oder Arten ausgehen.

Besonders in der Economy Class (Wieso eigentlich „Holzklasse“? Nur in der First Class wird Holz verwendet. Wenn, dann „Plastik- und Gestankklasse“) kommen die Unterschiede der Menschen zur Geltung. Obwohl theoretisch der gleiche Betrag bezahlt wurde, muss sich der voluminöse Passagier mit weitaus weniger Freiraum abfinden als der Gartenzwerg. Skandalös. Zwar bekommt der Dicke mehr Gramm pro Cent transportiert, und das ist ja auch schon mal knorke, aber erzählen Sie das mal einem erstickenden Fluggast, dem das Rauchverbot-Zeichen im Gesicht hängt.

Als Umweltsau bin ich ja der absolute Billigfliegerfan, jedenfalls finde ich es überaus erschreckend, dass sogar ich schon Platzprobleme bekomme. Wie müssen sich erst meine überformatigen Mitreisenden fühlen? Irgendwo müssen die Beine ja hin. Letztes Jahr auf einem Flug von Hamburg nach Amsterdam saß neben mir ein unglaublich großer, dicker Mann. Obwohl ich mich zu einem winzigen Teil auch um meine Luftversorgung Sorgen machte, hatte ich echt Mitleid mit ihm. Da bezahlt er genau denselben scheiß Flugpreis, und während ich meine Beine ausstrecken kann (war kein Billigflieger, sondern KLM), erstickt er fast an seinem eigenen Knie. Ist doch echt scheiße.

Aber wie kann man dieses Problem lösen? Wer mehr Platz verbraucht, kostet im Endeffekt auch mehr – dem Transportunternehmen meine ich. Andererseits möchte ich auch nicht andauernd mit meinem Sitznachbarn um die Armlehne kämpfen, nur weil er dreimal so viel Platz einnimmt wie ich. Ein klassisches Dilemma. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig als schweinereich zu werden. Reiche haben immer Platz, und zwar zu allen Seiten. Spätestens dann werde ich dick. Reiche dürfen das nämlich. Dick werden. Immer schön dick in alle Richtungen, weil is ja auch Platz nech? Schön.

App

Eingetragen am Mo, 25. Mai 2009 um 18:14:11 Uhr von Maori.

Wenn ich einen Doppelstrahl pissen will, gibt’s eine App dafür. Wenn ich mich am Sack kratzen will, gibt’s eine App dafür. Und wenn ich das Hochhaus mit den ganzen sozial schwachen Bewohnern anzünden will … gibt’s auch dafür eine App. Auf meinem iPhone. Ding, ding. Dong.

Übrigens möchte ich hiermit nur sagen: Ich lebe noch, nur habe ich keine Lust, andauernd etwas zum Besten zu geben. Das tut schon Uli Hoeneß und das passt mir hinten und vorne nicht.

Homo Laberus

Eingetragen am Do, 19. Februar 2009 um 12:08:03 Uhr von Maori.

Herzlich willkommen zur Analyse der menschlichen Kommunikation. Als äußerst kommunikativer Mensch werde ich Ihnen ein wenig erläutern, was total scheiße ist und was nicht. Anschließend können Sie allein entscheiden, was Sie mit dem neu gewonnenen Wissen anfangen.

In der Steinzeit, das ist schon eine Weile her, kommunizierten die Menschen mit einfachen Worten, einigen Gesten und der monsterfetten Keule. Ja, die gute alte Keule war immer dabei. Dann wurden Worte erfunden, Synonyme gar, ein Potpourri bunter Fehlerquellen. Schließlich fingen die Menschen an, sich über weite Entfernungen zu unterhalten, was schlimm war, ehrlich jetzt, die Leute gingen sich nun auch noch über Kilometer und Landesgrenzen hinweg auf den Sack. Mit Fackeln und Spiegeln, mit Brieftauben und schlecht bezahlten Boten. Einige Jahre später wurde dann die Telegrafie erfunden. Nun wurden die Nachrichten piepsend und summend durch die Gegend geschickt – was für den Durchschnittsmenschen immer noch viel zu kompliziert war. Bis eine Masse etwas annimmt, muss es so einfach sein wie grunzen und sabbern – ganz wie in der Steinzeit.

Als das Telefon erfunden wurde, ahnte noch niemand, wie viel Schmerz, wie viel Leid das Ding noch über Milliarden von Menschenleben bringen würde. Vorher gab es ja keine Werbeanrufe. Callcenter auch nicht. Klingeltöne, hallo? Schlussmachen am Telefon, das gab’s vor dem Telefon auch nicht. Oder Telefonterror. Ich habe noch nie etwas von Telegrafenterror gehört. Wie viele Ehen wurden durch Telefonsex zerstört? Okay, wie viele dadurch gerettet? Touché. Jedenfalls mussten sich Generationen von einfühlsamen Menschen das Gejammer Millionen sabbelnder, egoistischer Heulsusen anhören. Nun ja, eine Weile blieb es ja dabei, bis das Mobiltelefon auftauchte. Schon wurden die Menschen auch außer Haus belästigt. Immer erreichbar, immer verbunden – und wie voll ist der Akku noch? Ein Wahnwitz.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Aber nichts, überhaupt nichts, im Vergleich zum Internet. Manche behaupten, dass es Leute gibt, die sind online gegangen und dann nie wieder lebend gesehen worden. Voll krass ey. Jedenfalls machte das Internet alles nur noch schlimmer. Beispielsweise E-Mails. Gut, für alle Menschen mit kurzen Penissen und großen Komplexen ein Traum, für alle anderen einfach nur der Dünnpfiff der Moderne: Spams. Ohne E-Mail kaum möglich. Stellen Sie sich vor, die ganzen Spammails, die Sie so am Tag bekommen, würden ausgedruckt in ihrem Briefkasten landen. Das wäre eine schöne Scheiße. Aber das ist ja noch längst nicht alles. E-Mails machen es so einfach, reaktionär zu handeln, es zu bereuen und darauf zu warten, dass die harte Realität zurückschlägt. Beispielsweise wenn man sich über den Chef aufgeregt hat. Man ist betrunken wie immer, stinksauer, derbe mutig, setzt sich an den Rechner und zieht einen vom Leder. So richtig. Von wegen Arschloch, Darmbazille, Fotzenkopf, Kackbratze, Wichswurst. Deine Mudder. Dein Vadder. Pipapo. Und dann zack, auf „Senden“ geklickt. Man wacht auf, am nächsten Morgen, mit so ’ner Birne. Denkt sich: Woah, ich hab’ das doch nur geträumt, oder? Oder??? Game over.

Jetzt auch noch Twitter. Muss das sein? Jeder, der bisher versucht hat, mir Twitter schmackhaft zu machen, ist kläglich gescheitert. Wieso? Mir wird der Nutzen nicht deutlich. Was meine Freunde tun, bekomme ich mit. Wenn ich es wissen will, frage ich sie. Wenn ich auf Nachrichten aus bin, gibt es ausreichend Online- wie Offlineangebote. Jemand erzählte mir, es wäre so unglaublich toll, dass die Notlandung in den Hudson zuerst getwittert wurde, bevor die Nachricht über die Agenturenticker ging. Aber wieso? Muss ich es die fünf Minuten früher wissen? Ich finde, das macht die Twitterleute keinen Stück geiler. Oder schlauer. Vor allem geht meiner Meinung nach die Nachrichtentiefe verloren. In die Breite explodiert die Nachrichtenmenge natürlich, denn Twittern ist saueinfach. Aber was brauche ich unrecherchierte Nachrichten? Kann mir das bitte jemand schlüssig erklären? Nein, natürlich nicht. Jedenfalls darf weiter getwittert werden, ich habe nichts dagegen – nur eben ohne mich, ganz einfach.

Der nächste Schritt in der Kommunikationshistorie wäre die totale Vernetzung der Gehirne. Zumindest in Teilen wird das stattfinden, dessen bin ich mir sicher. Wenn der Mensch etwas kann, wird er es auch machen – und genügend Idioten finden, die mitmachen. Sieht man ja an diesen Blogs. Jeder meint, bloggen zu müssen. Stellen Theorien über die Kommunikationsgeschichte auf und so. Wer braucht bitte Blogs? Nur weil sich die Pappnasen für geil halten, sind sie es noch lange nicht. Ich würde soweit gehen zu behaupten: Blogger sind die Sexualstraftäter des Internets. Oder nein, schlimmer noch: Blogger sind die Callcenter-Mitarbeiter des Internets. Diese Arschlöcher, Darmbazillen, Fotzenköpfe, Kackbratzen, Wichswürste.