WM06 XXIb
ENG-POR 0:0, 1:3 i. E.
Was war das für ein wunderbares Spiel. Engländer wie Portugiesen klebten nicht allzu sehr an ihren taktischen Konzepten, wobei meine Vermutung eher in die Richtung geht, dass sie keines hatten. Jedoch konnten sie ihre Torchancen in der regulären Spielzeit nicht nutzen. Als besonders ärgerlich gestaltete sich dies für Portugal nach dem Platzverweise von Wayne Rooney in der 64. Minute. Die Portugiesen schnürten die Engländer regelrecht im eigenen Strafraum ein, konnten jedoch keinen Torerfolg erzwingen. Die Nachspielzeit gehörte wiederum den Engländern, die auf einmal wie bescheuert attackierten. Aber auch sie konnten kein Tor erzielen. In der Nachspielzeit war Portugal drückend überlegen, doch die englische Innenverteidigung leistete ganze Arbeit.
Und nun das Elfmeterschießen: Es war mit Abstand das schlechteste Elfmeterschießen, welches ich je erlebt habe. Niemand wollte so richtig treffen, die Elfer waren schlecht geschossen – kaum ein unhaltbarer (obere Ecke) dabei. Diese absoluten Flachpfeifen. Der Tradition treu schieden die Engländer mit einer kläglichen Vorstellung – gegen einen zugegebenermaßen unglaublich guten Ricardo – aus. Schade, aber muss.
BRA-FRA 0:1
War das bitte schön? Ich hörte Stimmen unken, die da unkten: Öh, Frankreich ist ja nicht so stark, Brasilien war nur so schwach. Nein, liebe Freunde. Brasilien ist immer stark, die haben Spieler, welche ohne eine einzige Torchance drei Tore schießen können. Ronaldo beispielsweise. Steht da rum mit seinen dicken Arschbacken, der Ball kommt, er guckt den an, drin. So geschehen damals gegen Japan. Zwei Stück sogar. Hätten meine dummen Landsleute nicht so exorbitant scheiße gespielt, unser Gerd wäre noch Rekordtorschütze. Egal, noch eine WM von Miro und der Rekord gehört wieder uns.
Nun zum Spiel. Das Spiel startete so, wie man sich das erwartete: durch die extrem defensive Aufstellung Frankreichs und die sehr offensiv ausgelegte Taktik der Brasilianer spielte sich das Meiste in der französischen Hälfte ab; doch die hoch gelobten Weltmeister konnten daraus kein Kapital schlagen; womöglich dadurch, aber auch durch den überragenden Zinedine Zidane befreite sich die französische Mannschaft immer weiter und erarbeitete sich einige halbe Chancen. Zusammen mit seinem Vorarbeiter Ribery, der eine gute WM spielt, erlangten sie immer mehr Gewicht im Mittelfeld. Brasilien dachte wohl immer noch, dass diese WM ein Selbstgänger wäre, aber weit gefehlt. Genauso weit wie Ronaldo das Tor, hahaha. Der dicke Sack ey. Ich mag den trotzdem, ganz groß, der Ronaldo. Jedenfalls hatte Frankreich einige nette Chancen, doch die dicken Kartoffeln (so dick wie Ronaldo, hahaha – nein!! Ich mag den echt) kamen erst in der zweiten Halbzeit.
Denn die hatte es in sich: Zidane zirkelte den Ball über die komplette brasilianische Ahnungslosigkeit hinweg auf Thiery Henry; da war sogar Dida machtlos. Die Brasilianer wirkten danach wie paralysiert, als hätten sie es nie für möglich gehalten, nicht (!) Weltmeister zu werden. Nun bemühten sie sich endlich, und damit konnten die Zuschauer sehen, was diese Übermannschaft eigentlich war: nichts. Die totale Ideenlosigkeit, null Spielfreude, kein Engagement, keine Energie, keine Leidenschaft (wie in den zahlreichen Werbespots, die die Akteure so im Jahr drehen), keine dicken Eier (Ronaldo, dick, dick!! Ne, super Kerl, der Ronaldo – aber dick).
Ich freue mich sehr für den Meister: Zinedine Zidane. Was für ein großer Spieler, was für ein großer Mensch. Groß-groß. Der hat es sich einfach verdient, nicht nur, weil Gott ihn mit einer Platte gestraft hat, sondern, weil er ein wirklich sympathischer, fairer und großer Spieler ist.
BRA-FRA 0:1
Gewinner und Verlierer des Tages. Verlierer des Tages ist Sven Göran Eriksson. Der Trottel hat bei jeder Trainingseinheit Elfmeter üben lassen. Darüber habe ich mich ja schon nach dem Schweiz-Desaster gegen die Ukraine ausgelassen. Aber das heute, heilige Scheiße, war das schlecht. Da verschießen die Portugiesen schon zwei, und trotzdem beharren die Engländer auf ihrer guten, alten Tradition, im Elfmeterschießen ausscheiden zu müssen. Nun weint England, und wir lachen sie gern aus. Die Welt zu Gast bei Auslachern.
Der Gewinner des Tages ist definitiv, ultimativ und völlig verdient Zinedine Zidane. Oder? Es ist doch unglaublich, wie er spielt. Von wegen Ronaldinho, der soll in vier Jahren beweisen, dass er ein Großer ist. Diese WM gehört noch einmal dem Meister, vor dem sich alle Spieler zu verneigen haben – auch die, die aus Rio kommen, sich für die Größten halten, es aber einfach nicht sind.
