WM06 XXb
GER-ARG 1:1, 4:2 i. E.
Noch nie lief die Vorbereitung auf ein WM-Spiel gegen Argentinien so akribisch ab wie bei diesem Turnier. An jenem, lauschigen Spätnachmittag in Berlin, als Argentinien begann, sich von Deutschland zu verabschieden, griffen sämtliche Zahnräder ineinander, die Jürgen Klinsmann und sein Betreuerstab erarbeitet und geschliffen hatten.
Der erste Schritt: Maradona nicht ins Stadion lassen. Wie bekommt man Maradona dazu, nicht das Stadion zu betreten, ohne sich nachher vorwerfen lassen zu müssen, man hätte dies beabsichtigt? Richtig, einfach den besten Freund rauswerfen. Und wir kennen Maradona. Ihm ist sein Ego wichtiger als die argentinische Nationalmannschaft; wenn wir uns zurückerinnern an seine Kokserkarriere, wirkt es so offensichtlich und durchschaubar. Gestern jedoch nutzten die Deutschen dieses Wissen, um den wahren zwölften Mann Argentiniens auszuschalten.
Der zweite Schritt: Argentinien warnen, dass sie ausscheiden. Wir kennen die Argentinier. Sie sind eine stolze Nation und lassen sich unbewusst extrem einfach provozieren. So zogen sie ihr starkes Spiel nach der Führung nicht weiter durch, sondern ließen sich zurückfallen im Glauben, sie wären sowieso besser. Dass Deutschland im Elfmeterschießen so gut wie unbezwingbar ist, hätten sie eigentlich wissen können. Besonders Riquelme.
Der dritte Schritt: So tun, als sei man nervös. Meine Herren, haben wir gezittert, als Philipp Lahm einen haarsträubenden Abwehrfehler beging und Maxi Rodriguez glücklicherweise nur das Außennetz traf. Alles Taktik. Erst so tun, als ob man schweinenervös ist, dann eine kurze Kombination über Ballack und Borowski auf Klose, Kopfball und Tor. Fertig. Von ihrer 140%igen Ballbesitzstatistik konnten sich die Gauchos auch nichts mehr kaufen.
Nach einem irgendwie sinnfreien Tritt in den Bauch Per Mertesackers kassierte Cufre, ohne eine Minute gespielt zu haben, nach dem Elfmeterschießen die Rote Karte. Es wird vermutet, dass Cufre Mertesacker mit Borowski verwechselte und eigentlich dem Bremer in den Bauch treten wollte. Macht die Sache auch nicht besser, man sieht aber, was für eine erbärmliche „Mannschaft“ die Argentinier bei dieser WM waren. Was haben sie uns doch begeistert bei ihrem 6:0 gegen Serbien und Montenegro. Und nun rennen sie (besonders Gabriel Heinze) auf Oliver Bierhoff los, der nur schlichten wollte, Maxi Rodriguez schlägt Schweinsteiger – Rodriguez hatten wir alle bewundert nach dem Traumtor gegen Mexiko. Nun verachten wir ihn und seine Prügelgauchos kollektiv. Was für ein armer Haufen, schlechte Verlierer, ich freue mich umso mehr, dass sie bei dieser WM nichts erreicht haben. Sogar Australien, die mit einem unberechtigten Elfmeter in der dritten Minute der Nachspielzeit rausgeflogen sind, haben keine Anstalten gemacht.
Nach dem Spiel waren wir (Puschi Public Viewing) völlig fertig, meine Nerven… Bei Ayala war ich mir aber so was von sicher, dass er verschießt – denn er hatte das 1:0 geschossen. Und wir erinnern uns, 1997, Lehmann für Schalke im UEFA-Cup-Finale gegen Inter Milano. Zamorano schoss das 1:0 in der regulären Spielzeit und erzwang das Elfmeterschießen. Erster Elfer, Zamorano lief an, und Lehmann hielt. Torschützen verschießen sehr oft im Elfmeterschießen, wenn ich mich nicht völlig täusche. Jedenfalls wollte Ayala scheinbar keine Ausnahme bilden und tippte den Ball vorsichtig an, damit Lehmann ihn wirklich komfortabel halten konnte. Der Elfer von Cambiasso war besser, doch Lehmann parierte glänzend. So gesehen war dieses Gelaber von wegen, Elfer ist Glückssache, ein Scheiß. Wenn man sich anschaut, wie gut die deutschen Elfer geschossen wurden, muss man sagen: Deutschland war einfach besser. Berlin, wir kommen wieder!
ITA-UKR 3:0
Freute man sich irgendwie auf dieses Spiel, weil man es nun völlig entspannt gucken konnte, man wurde gnadenlos enttäuscht. Nicht, weil die Italiener irgendwie scheiße gespielt hätten, ganz im Gegenteil. Aber die Ukraine war so schlecht, besonders in der ersten Halbzeit, dass man dachte: warum ist Holland schon zu Hause und nicht diese Gurkentruppe?! Neben einigen seltsamen Entscheidungen des Schiedsrichters waren die Italiener das bestimmende Element auf dem Platz. Das Tor von Gianluca Zambrotta war nett anzuschauen, der ukrainische Torhüter hätte ihn jedoch halten müssen. Ach, was schreib ich hier, ich bin bei diesem Spiel fast eingeschlafen, konnte mich gerade so mit Brot und Bier bei Laune halten.
In der zweiten Halbzeit hatte die Ukraine einige Riesenchancen, vergaben sie jedoch kläglich. Italien dagegen nutze seine Konter und hätte eigentlich noch höher gewinnen können; z. B. gab der Schiri nach einem eindeutigen Foul gegen einen Italiener im ukrainischen Strafraum nix, weder Elfmeter noch seinen Löffel ab. So spielt Deutschland also am nächsten Dienstag in Dortmund gegen Italien. Und wir werden uns für das 1:4 bedanken, Italien fährt nach Hause. Tschüss!
Bonustrack
Machen wir es kurz. Gewinner und Verlierer des Tages: Gewinner: Ich denke, Jens Lehmann ist heute unser Gewinner. Zwei gehaltene Elfer, sehr gut. Verlierer des Tages ist die argentinische Fußballnationalmannschaft, die enorm an Ansehen verloren hat. Nicht durch das Spiel, nicht durch das Ausscheiden, sondern die alte, argentinische Tradition, alles mit Gewalt regeln zu wollen. Fahrt nach Hause und denkt mal drüber nach.
