WM06 XVIII
ITA-AUS 1:0
Aus is raus. In der letzten Sekunde ein lächerlicher Elfmeter für Italien. Ich habe – glaube ich – sechzehn Zeitlupen zurate gezogen und musste feststellen: Nein, nie und nimmer ein Elfer. Vor allem keiner in der allerletzten Sekunde, wie scheiße war denn der Schiri? Luis Medina Cantalejo – hat er nicht letztens plötzlich diesen nagelneuen Sportwagen gekauft? Wir werden es nie erfahren. Jedenfalls waren die Australier einfach zu blöd, ihre Chancen und Überzahl zu nutzen; ich glaube, damit fährt nun auch der letzte Holländer nach Hause – habe ich richtig mitgezählt? Man weiß es ja nicht, die sind ja überall, diese Holländer. Heute Morgen wache ich auf, und da liegt so ein Holländer unterm Teppich rum.
SUI-UKR 0:0; 0:3 i. E.
Zum Glück habe ich nicht so viel mitbekommen von diesem Spiel. Es war grausam, ehrlich, was ein schlappes Gegurke. Ich konnte es kaum fassen, dass das ein Achtelfinale sein sollte. Stellt euch vor, ihr hättet irgendwo auf blind ein Achtelfinalticket gekauft und hättet dieses Spiel erwischt (statt z. B. Deutschland gegen Ecuador). Ihr hättet eine Sitzschale aus der Verankerung gerissen und sie gegessen. Nun, das Kölner Stadion hat kaum noch Sitzschalen, denn der Abend war grausam; im Elfmeterschießen haben wir dann auch gesehen, wie grausam die Spieler wirklich drauf waren – außer der ukrainische Torwart Oleksandr Shovkovskyi (auf Deutsch: Alexander Schowkowski aus Castrop-Rauxel). Der hielt zwei Elfmeter und lenkte (wie schon Lehmann) durch reine Psi-Energie einen an die Latte.
Nach diesem Spitzenspiel treffen also Italien und die Ukraine aufeinander. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ukraine mit so einer Truppe Italien aus dem Turnier kickt. Die Italiener gehen diesmal den Weg der Deutschen 2002: bis zum Finale keinen großen Gegner. Im Halbfinale wird sich Deutschland für das 1:4 revanchieren und sie mit einer saftigen Packung nach Hause schicken, so wie es diese Wettmafia (gegen unsere Wettmafia) verdient hat.
Elfmeterschießen üben
Die Schweizer hatten Elfmeterschießen geübt. Was das bringt? Gar nichts, wenn man scheiße schießt. Und sie haben geschossen wie die Engländer. Shevchenko hat ein Trauma fürs Leben davongetragen damals beim Champions-League-Finale gegen Liverpool; vielleicht sollte er im Laufe des Turniers keinen mehr schießen. Hätte er an Tottis Stelle einen verschossen, man hätte ihn erschossen.
Gewinner und Verlierer des Tages: Der Gewinner: Franceso Totti. Ich hasse ihn zwar, aber in der 300 000. Minute der Nachspielzeit einen Elfer reinzuhauen ist verdammt eiskalt. Exzellent und enorm wichtig. So wird man WM-Dritter. Die Verlierer des Tages sind sämtliche Zuschauer des Spiels Schweiz gegen die Ukraine. Besonders die Fernsehzuschauer hätten in der Zeit wirklich das Land nach vorne bringen können. Stattdessen nur Rotz. So geht das nicht weiter, denn: Du bist Deutschland.
