Bundesligakommentar, 1. Spieltag

Weiß nicht. Wie soll ich denn diesen Beitrag beginnen? Vielleicht mit: „Ein Kollege von mir ist Gladbach-Fan“? Weiß nicht. Er tut mir sehr leid. Ende letzter Saison, als Dante einen Bock nach dem anderen schoss (und zwischendurch auch ein extrem wichtiges Tor, aber davor und danach nur Böcke), musste ich ihm täglich auf die Schulter klopfen, bis er mich wegen sexueller Belästigung anzeigte. Auswärts eine 0:3-Führung verspielen, wie kann man nur so blöd sein? So etwas habe ich ja in meinem Leben noch nicht … ach ja, da war doch was, letzte Saison. Vergessen wir die Sache. Kommen wir doch lieber zu den zwei Aufregern des Spieltags.

Aufreger 1: Rudi Völler. Was ist bloß los mit ihm? Sympathisch aussehen und sympathisch sein sind dann doch zwei verschiedene Paar Schuhe, das eine hochhackig, das andere mit Stahlkappen, glaube ich. Jedenfalls so ähnlich. Also, für alle, die nicht dabei waren: Rudi beschwerte sich über den Schiri Aytekin beim Spiel Mainz – Leverkusen. Spielverlauf: Hoogland 1:0, Barnetta verschießt Elfer, Derdiyok schießt das 1:1, Kießling das 1:2, Gunkel haut einen Freistoß aus 16 km in den rechten Winkel, Gekas schießt ein Tor, das aber aberkannt wird. Soweit, so gut. Gunkels Freistoß kam durch einen Schubster Hyypiäs an Bancé zustande. Klar war das ein kleiner Schubser, aber darüber darf man sich nun echt nicht beschweren. Wir wissen alle, „dass so etwas in England“ nicht gepfiffen wird, aber wir sind hier nicht in England, deshalb können wir ja auch nächstes Jahr Weltmeister werden. Außerdem hätte Barnetta den Elfer ja nicht unbedingt verschießen müssen, er hätte ihn auch verwandeln können – und Aytekin hätte sicherlich nicht auf Abseits entschieden. Beim Gekas-Treffer haben wir alle gesehen, wie Kießling einen Abwehrspieler des FSV geblockt hat. Dass der Schiri-Assi das gesehen hat, verdient ein großes Lob, und keine dummen Beschimpfungen eines Rudi Völler. Bevor er sich dermaßen weit aus dem Fenster lehnt, sollte er sich an den eigenen Bartzimpfel fassen. Unerträglich ist das.

Aufreger 2: Bayern-Dusel, Teil 2,5 Mio. Zumindest wird das alles in der Presse so dargestellt. Dabei hat das alles nichts mit Dusel (=unverdientes oder unverhofftes Glück) zu tun, sondern mit unfähigen Schiedsrichtern. Abgesehen davon, dass man Rafatis Leistungen der letzten Saison hätte zum Anlass nehmen müssen, ihn ab sofort nur noch auf dem Parkplatz als Einweiser einzusetzen, hätte der Schiri-Assi eigentlich sehen müssen, dass der Ball acht Meilen hinter der Torlinie war. Ich meine, Rensing stand fünf Meilen hinter der Torlinie und hat nach hinten gegriffen, wo bitteschön hätte der Ball denn sonst sein sollen? In Kamerun? Torkamera hin oder her, unfähige Schiris haben auf dem Platz nichts verloren – genauso wenig wie unfähige Spieler, nebenbei bemerkt. Wie dem auch sei, lieber Uli Hoeneß: Ich respektiere Sie als großen Manager, als einen der wenigen Macher in Deutschland, die was auf die Beine gestellt haben. Aber dass der FC Bayern München hätte gewinnen müssen (!), sehe ich nicht so. Das Unentschieden geht vollkommen in Ordnung – und Rangnick, der inzwischen total arroganten Socke, gönne ich überhaupt nichts. Schönes Tor von Obasi, gut erarbeitetes Tor von Olic. Ich sehe keinen Grund, mich mit meinem Hintermann anzubrüllen. Hinter mir sitzt aber auch keiner. Noch ein Grund.

Mann, hat Felix Magath getobt. Der Gesundheit wegen, wir haben es alle im Sportschau-Interview vernommen. Die Nürnberger wirkten irgendwie naiv, obwohl lauter erfahrene Spieler auf dem Platz waren: Schäfer, Wolf, Pinola, Kluge, Mintal. Und keine alternden Würste wie Koller (gut, Charisteas kam in der 68. Minute) oder keine Ahnung, wen gab es denn noch in der Vergangenheit? Ist ja auch egal, scheiß Absteiger. Jedenfalls war das Spiel nicht besonders attraktiv, auch wenn die Tore exzellent vorbereitet waren – alle aus dem Spiel heraus. Besonders die jungen Wilden (muss man jetzt II dahinter hängen?) Zambrano, Kenia, Holtby noch nicht so, haben gut Remmidemmi gemacht. Auf der anderen Seite muss man mal sagen, dass der Club ein Stürmerproblem hat. Das Phantom ist noch nicht hundertprozentig in Form, Eigler ist vor dem Tor momentan zu beschränkt, könnte auch an der Form liegen, und anderweitig war ja leider nicht viel zu vernehmen. Vergessen wir nicht, dass Charisteas zwar offiziell das Tor vorbereitet hat, aber trocken bemerkt wurde sein Flachschuss gehalten. Das macht ein Messi anders. Oh, habe ich Charisteas mit Messi verglichen? Hahaha, ich Jux-Beutel.

Hertha habe ich nicht auf dem Zettel. Egal, wie erfolgreich die mit ihrem unansehnlichen Scheiß sind: Hertha interessiert mich nicht. Wie Hannover gespielt hat, na ja, war Hannover-typisch: ineffektiv, unattraktiv, grau. Viele bezeichnen ja Bochum als graue Maus der Liga, aber spätestens seit diesem Wochenende … Bochum. Ein Wahnsinn. Wie bitter es ist, eine vermeintlich sichere 3:0-Führung zu verspielen, habe ich letztes Jahr selbst erlebt – nur dass diesmal Gladbach selbst die Verantwortung übernehme muss und nicht das Schiedsrichtergespann. Dabei hatten die Fohlen noch Glück, dass Christofer Heimeroth so einen Bombentag erwischte – sonst wäre die Sache 5:3 ausgegangen. Über den HSV wollen wir doch nicht viele Worte verlieren, oder? Meine Fresse, war das eine Scheiße. Wenn ich HSV-Fan wäre, ich hätte mich eh nach der Werder-Scheiße letzte Saison erschossen. Aber nach dem Freiburgspiel hätte ich einfach gesagt: ja, das Beste am HSV ist immer noch Dino, das Maskottchen. Super Maskottchen, der Dino. Astrein. Zumindest beweglicher als die Offensive des labbadierten Haufens. Der hat Greuther Fürth geschafft, der hat Leverkusen geschafft, und der dollt jetzt auch noch den HSV. Aber Hauptsache jung und adrett. Mal sehen, wann Slomka sich ins Gespräch bringt.

Wolfsburg und Stuttgart trennten sich erwartungsgemäß. Nichts Neues an dieser Stelle. Aber Jens Lehman fordert, mehr zu investieren. Nicht, damit sich „der VfB im oberen Tabellenbereich etabliert“, sondern einfach nur seinetwegen. Es könnte seine letzte Bundesliga-Saison sein, und da will er noch einmal alles erreichen: Champions-League-Sieg, DFB-Pokal, EM, WM, PMS, keine Ahnung, auf jeden Fall alles. Dem ist es doch scheißegal, was mit dem VfB nach der Saison passiert. Ob die Pleite gehen, vor der brasilianischen Küste abstürzen oder was. Hauptsache, Herr Lehmann kann sich zwei oder drei Blechbüchsen in die heimische Vitrine stellen, direkt neben die Urkunde von Cosmos Direkt. Geile Taktik, aber ich hoffe doch sehr, dass Horst Heldt bloß nicht auf die schwachsinnigen Forderungen eines alternden Stars eingeht. Vielleicht schnappt sich Horst mal dem Jens seinen Schuh und wirft ihn vom Trainigsgelände. Wuff.

Jürgen Klopp und der BVB putzen Zvonimir Soldo und seine portugiesische B-Elf. Zumindest mit 1:0, von Putzen kann dann doch keine Rede sein. Aber verdient war er, der Heimsieg. Vom dicken Maniche kam noch nicht viel, auch wenn der ARD-Kommentator steif und fest das Gegenteil behauptete. Vielleicht erinnerte er sich an die geschmeidigen Bewegungen eines Ailton in seiner Bremer Zeit, aber auch der brauchte ein ganzes Jahr Anlauf. Jedenfalls war das Beste am Spiel Faryd „Ich muss auf jeden Fall ausgewechselt werden, auf jeden Fall, wechselt mich aus, Betreuer, zeig denen auf der Bank noch einmal deutlich, dass ich nicht weiterspielen kann, nein, es geht nicht, aua, das tut weh, Bänder, keine Ahnung, ich muss raus, schwere Verletzung, sechs Wochen Pau … ach nee, geht doch“ Mondragon, der eine Glanzparade nach der anderen hinlegte. Aber dieses Wochenende war ja nicht so der fantastische Spieltag für Glanzparaden. Hildebrand, Lehmann, Mondragon oder Heimeroth – 3 Mio. Glanzparaden, 0 Siege.

Erkenntnisse des Spieltags:

#1 Wir brauchen keine Torkamera, sondern bessere Schiedsrichter.

#2 Hoeneß brüllt zur Not einfach auch mal Tribünengäste an. Der Mann ist Klasse.

#3 62 Anstoßzeiten für 3 Spiele: die Kneipen freuen sich.

Eine Antwort auf “Bundesligakommentar, 1. Spieltag”

  1. Holly Wood schrieb:

    sinnfrei :D

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