Kommentar-Kommentar
Vor einigen Jahren, es müsste 1977 gewesen sein, habe ich mich fürchterlich über die Kommentatoren auf stern.de aufgeregt. Unter den ganzen Boulevard-Geschichten wie beispielsweise der Hochzeit von Boris Becker reihen sich Kommentare mit dem Inhalt: „Wieso begibt sich Stern auf das Niveau?“ Daraus kann man dann auch rasch schließen, dass eben die Leute, die angeblich über mehr Niveau verfügen (Selbsteinschätzung), auf solche Artikel klicken. Sie dürften also die Letzten sein, die sich darüber beschweren.
Noch viel besser finde ich aber die Aggressivität der Kommentatoren – und das ist mir auch schon auf anderen Websites aufgefallen. Bei mir, okay, das kann ich gut verstehen, schließlich pöble ich den ganzen Tag herum wie der Rohrspatz himself. Aber auf 11freunde.de zum Beispiel gibt es einige, die ausschließlich darauf aus sind, bestimmte Artikel niederzumachen und herumzumosern. Dabei könnte man doch genauso gut Korrekturen auflisten, ohne gleich beleidigend zu werden. All diese Webangebote sind kostenlos – und nur weil man sich drei Banner angucken muss, heißt das noch lange nicht, dass man das Recht auf das Beste vom Besten hat. Um ehrlich zu sein, Leute, die unter einem Artikel über Hauptschulen gegen Multikulti wettern, haben meiner Meinung nach maximal die Menschenrechte (kein Folter und der ganze Kram) verdient, aber wohl keinen einzigen vernünftigen Artikel. Über die rege ich mich ja besonders auf: Leute, die ihr „Wissen“ von „Richter Alexander Hold“ und „Frauentausch“ „holen“, und dann auf dicke Hose machen. Das Mittelmaß-Volk im Vollrausch.
Wie lautet das Fazit? Anonymität fördert Idiotie. Intelligenter werden Gespräche dadurch ganz bestimmt nicht. Im wahren Leben muss man Konfrontationen fürchten und ist zu Kompromissen bereit, außerdem wird vis-a-vis das Ausweichen erschwert, falls man sich zu sehr in die Ecke gedrägt fühlt. Im Internet ist es ein Leichtes, in die Runde zu pöbeln und dann das Weite zu suchen – ohne Konsequenzen. Einfach mal in die Runde kotzen, Hauptsache was gesagt. Sogar auf Spiegel Online lassen sich die Leute gehen (auch darüber habe ich mal gepöbelt). Ich wünsche mir auf den Websites der Weltpresse mehr Höflichkeit. Bitte.
