Wo bin ich?

Eingetragen am Mo, 1. Februar 2010 um 16:23:34 Uhr von Maori.

Wer sich fragt, was ich gerade so mache: Ich arbeite. Ich schreibe ein Buch. Und ich zwitscher. Keine Zeit für längere Einträge, drum habe ich mich nun auf kürzere Nachrichten spezialisiert. Von mir kommen immer wieder Fehler in der Matrix, die mir auffallen:

http://twitter.com/hirnschiss

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Hilfe!

Eingetragen am Fr, 20. November 2009 um 12:09:47 Uhr von Maori.

So, endlich werden hier auch mal ernste Themen behandelt. Wurde ja auch Zeit. Das soll jetzt aber kein Imagewandel werden oder so, ich mache mir halt nur meine Gedanken und die sollen raus. Wenn es Ihnen nicht passt, kann ich Ihnen failblog.org empfehlen. Urkomisch. Wie dem auch sei, ich habe mir folgende Frage gestellt: „Sind wir verpflichtet anderen zu helfen?“ Gehen wir der Sache doch mal auf den Grund.

Jemandem fällt etwas hin, z.B. ein Kugelschreiber. Sind wir verpflichtet ihm zu helfen? Zunächst einmal nicht, denn es handelt sich um eine absolute Banalität. Die meisten Menschen könnten auch ohne Kugelschreiber überleben – sogar Führerscheinprüflinge. Wem würden wir in so einer Situation helfen? Einer Dame? Einem älteren Menschen, dem es sichtlich schwer fallen würde, den Kugelschreiber aufzuheben? Vielleicht. Vielleicht gehen wir einfach nach Sympathie. Tatenlosigkeit in dieser Situation fänden sicherlich nur die wenigsten von uns moralisch verwerflich.

Aber wie sähe es aus, wenn sich jemand auf die Fresse legen würde? Vor Ihren Augen. Wem würden Sie da helfen? Ginge es da auch nach Sympathie? Vielleicht würden Sie da schon mal jemandem aufhelfen, dem Sie den Kugelschreiber nicht aufgehoben hätten. Wäre es moralisch verwerflich, jemandem in dieser Situation nicht zu helfen? Sagen wir mal, der Mensch bliebe liegen und blutete aus allen Poren. Okay, einfach weitergehen wäre wohl ziemlich verwerflich. Und wenn sich ein unverschämtes Kind, das die ganze Zeit nur am Schreien und Nerven ist, aus Eigenverschulden so was von auf die Kauleiste legt, dass die Zähne splittern? Würden Sie da helfen? Klar, sagen Sie, es ist doch noch ein Kind. Als Kind waren Sie vielleicht auch scheiße. Aber stellen Sie sich vor, Sie säßen in der Bahn und hätten dem Kind vier Stunden am Stück beim Schreien zugehört. Und dann legt der sich kurz vor Frankfurt mit der Fresse auf eine Armlehne und bricht sich den Kiefer. Nicht wenige von Ihnen würden sich diebisch freuen – oder sich denken: „Haste nun davon, du dummes Kind.“

Nun kommen wir aber zu einer etwas härteren Nummer: Suizid. Ein ziemlich verantwortungsloses Boulevardblatt fragte neulich: „Haben Sie Schuldgefühle, Herr Löw?“ Es ging wie so häufig in letzter Zeit um den Suizid unserer Nummer eins Robert Enke – Bundestrainer Löw hatte ihn nicht für die Länderspiele gegen Chile (abgesagt) und die Elfenbeinküste nominiert. Abgesehen davon, dass ich eine solche Frage für eine unfassbar pietätlose Unverschämtheit halte, stellt sich hier eine andere, nämlich: Kann man dadurch, dass man etwas nicht tut, die Schuld am Suizid eines anderen Menschen tragen? Meiner Meinung nach nicht. Wenn sich mir jemand anvertraut, würde ich sicherlich nicht tatenlos zusehen – und Sie hoffentlich auch nicht. Aber: ab wann kann ein Mensch für das Leben eines anderen verantwortlich gemacht werden? Bei ersten Anzeichen? Wie soll das bitte aussehen? Wie häufig hören wir von Menschen, denen es gerade nicht so prima geht, „Ich bringe mich um.“? Oder etwas schwächere Varianten wie „Ich könnte mich erschießen“ oder „Mein Leben kotzt mich an“? Wer von Ihnen würde, mal ganz im Ernst, einen Arzt zu Rate ziehen?

Absurder ist es also, jemandem den Suizid eines anderen vorzuwerfen (und sogar ein absoluter Volltrottel im Schalke-Forum hat es getan), weil er ihn nicht irgendwohin eingeladen hat. Sie laden jemanden ein, und der verunglückt auf dem Weg zu Ihnen. Viele würden sich in diesem Fall Vorwürfe machen, als neutraler Betrachter würden Sie aber sagen: Keine Schuld, passiert, auch wenn es tragisch ist. Und genauso sieht es mit Jogi aus – ich finde es eher moralisch verwerflich, jemandem so eine Frage zu stellen. Hilfe kann man geben, muss man aber nicht – so bitter es klingen mag. Sonst könnten wir nie und nimmer ruhig schlafen. Ein Beispiel gefällig? Gern.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Million Euro zur Verfügung. Diese müssten Sie einer Hilfsorganisation spenden – einer einzigen. Für welche würden Sie sich entscheiden? Not leidende Kinder? Hungernde Menschen? Regenwald? Krebsforschung? Nehmen wir an, Sie wählten den Regenwald. Wären Sie Schuld am Tod von Millionen Kindern? Wären Sie für Millionen Krebstote verantwortlich? Was würden Sie den sexuell missbrauchten Kindern erzählen? Dass der Regenwald wichtiger wäre als sie? Manch einer ist der festen Überzeugung, wir müssten uns engagieren, standardmäßig für Menschen, „denen es nicht so gut geht wie uns“. Okay, einverstanden. Aber das ist doch wohl jedem selbst überlassen, ob er jemandem hilft oder nicht. Veganer finden sogar Vegetarismus moralisch verwerflich, also wen würden Sie Vorwürfe machen? Am besten, Sie helfen demjenigen, dem Sie helfen wollen – ob es um Kugelschreiber oder Krankheiten geht. Aber anderen vorzuschreiben, wann und wem sie zu helfen haben, wird nichts bringen. Nicht ansatzweise. Am Ende des Tages muss sich jeder für seine Taten verantworten – mindestens vor sich selbst.

Grau ist der Herbst

Eingetragen am Fr, 13. November 2009 um 11:29:34 Uhr von Maori.

Viele fragen mich in letzter Zeit: „Maori, wie ist es eigentlich, in so einer scheiße erfolgreichen Agentur zu arbeiten, und das mitten in der Krise?“ Ich antworte dann meistens: „Mama, wo hast du das denn gelesen?“ Davon einmal abgesehen, scheinen wir ja aus der Krise total gestärkt hervorzugehen. Sagen zumindest die Zeitungen, und wie wir seit den Hitler-Tagebüchern wissen: Zeitschriften sind unzuverlässig, vertrauen kann man nur den Zeitungen. Alle Prognosen deuten eine positive Entwicklung an, wir sind praktisch kurz vor dem „Wirtschaftswunder II – Return of the Erhard“. Aber wieso merken die Leute es nicht? Heute Morgen schon wieder in der Bahn, alle mit so ’ner Fresse unterwegs, als wäre gerade 2012. Dabei haben wir noch mehr als zwei Jahre Zeit, um Autos zu bauen, die schnell genug sind, um fetten Erdrissen davonzufahren. Das müsste GM ja wohl noch hinbekommen, mit all den Milliarden, die ihnen in den Arsch geblasen werden.

Übrigens habe ich letztens aus Versehen (!) auf dem Monitor einer Kollegin das Video von der Frau gesehen, die sich besoffen auf die Gleise legt. Ich habe noch nie verstanden, wieso sich die Leute kurz vor der Einfahrt eines Zuges an die Bahnsteigkante stellen. Gibt es etwas Dämlicheres als sein Leben zu riskieren, um drei Sekunden schneller in eine Bahn zu kommen? Gibt es etwas Dämlicheres? Ja sicher, es gibt ganz bestimmt etwas Dämlicheres, aber das war mehr eine rhetorische Frage, also Schluss jetzt mit dem Herumüberlegen. Es ist einfach wahnsinnig doof, so zu sterben. Sie stehen an der Bahnsteigkante, und irgendein betrunkener Idiot stößt sie vielleicht aus Versehen, vielleicht weil Sie so ungemein hässlich sind, auf die Gleise. Kann immer mal passieren. Was will man auf der Beerdigung sagen: „Er hatte es immer sehr eilig, so auch beim Abgang.“ Oder „Alles was er wollte war ein schneller Einstieg. Jetzt ist er ausgestiegen.“ Ich käme mir reichlich dämlich vor, und wäre ich mit so einer Person verwandt, ich würde mir ob des Genpools doch große Sorgen machen.

Timingproblem

Eingetragen am Mo, 2. November 2009 um 2:09:14 Uhr von Maori.

Am Dortmunder Hauptbahnhof: Zwei Kinder spielen an den Schließfächern. Zwei etwa dreizehnjährige Hip-Hop-Kinder kommen angeschlurft, rufen: »Ey, was macht ihr da?« Brüllt der ungefähr zwei Meter große Vater der Kids, drei Meter neben den Schließfächern stehend: »Wer?« Die zwei Hip-Hop-Kinder zucken zusammen, suchen das Weite. Die Kids wollen, dass Papi sich um die zwei Hip-Hop-Kinder kümmert. Nein, Zwei-Meter-Papi rührt sich nicht vom Fleck. So ist das Leben.

Bundesligakommentar, 1. Spieltag

Eingetragen am Mo, 10. August 2009 um 18:15:34 Uhr von Maori.

Weiß nicht. Wie soll ich denn diesen Beitrag beginnen? Vielleicht mit: „Ein Kollege von mir ist Gladbach-Fan“? Weiß nicht. Er tut mir sehr leid. Ende letzter Saison, als Dante einen Bock nach dem anderen schoss (und zwischendurch auch ein extrem wichtiges Tor, aber davor und danach nur Böcke), musste ich ihm täglich auf die Schulter klopfen, bis er mich wegen sexueller Belästigung anzeigte. Auswärts eine 0:3-Führung verspielen, wie kann man nur so blöd sein? So etwas habe ich ja in meinem Leben noch nicht … ach ja, da war doch was, letzte Saison. Vergessen wir die Sache. Kommen wir doch lieber zu den zwei Aufregern des Spieltags.

Aufreger 1: Rudi Völler. Was ist bloß los mit ihm? Sympathisch aussehen und sympathisch sein sind dann doch zwei verschiedene Paar Schuhe, das eine hochhackig, das andere mit Stahlkappen, glaube ich. Jedenfalls so ähnlich. Also, für alle, die nicht dabei waren: Rudi beschwerte sich über den Schiri Aytekin beim Spiel Mainz – Leverkusen. Spielverlauf: Hoogland 1:0, Barnetta verschießt Elfer, Derdiyok schießt das 1:1, Kießling das 1:2, Gunkel haut einen Freistoß aus 16 km in den rechten Winkel, Gekas schießt ein Tor, das aber aberkannt wird. Soweit, so gut. Gunkels Freistoß kam durch einen Schubster Hyypiäs an Bancé zustande. Klar war das ein kleiner Schubser, aber darüber darf man sich nun echt nicht beschweren. Wir wissen alle, „dass so etwas in England“ nicht gepfiffen wird, aber wir sind hier nicht in England, deshalb können wir ja auch nächstes Jahr Weltmeister werden. Außerdem hätte Barnetta den Elfer ja nicht unbedingt verschießen müssen, er hätte ihn auch verwandeln können – und Aytekin hätte sicherlich nicht auf Abseits entschieden. Beim Gekas-Treffer haben wir alle gesehen, wie Kießling einen Abwehrspieler des FSV geblockt hat. Dass der Schiri-Assi das gesehen hat, verdient ein großes Lob, und keine dummen Beschimpfungen eines Rudi Völler. Bevor er sich dermaßen weit aus dem Fenster lehnt, sollte er sich an den eigenen Bartzimpfel fassen. Unerträglich ist das.

Aufreger 2: Bayern-Dusel, Teil 2,5 Mio. Zumindest wird das alles in der Presse so dargestellt. Dabei hat das alles nichts mit Dusel (=unverdientes oder unverhofftes Glück) zu tun, sondern mit unfähigen Schiedsrichtern. Abgesehen davon, dass man Rafatis Leistungen der letzten Saison hätte zum Anlass nehmen müssen, ihn ab sofort nur noch auf dem Parkplatz als Einweiser einzusetzen, hätte der Schiri-Assi eigentlich sehen müssen, dass der Ball acht Meilen hinter der Torlinie war. Ich meine, Rensing stand fünf Meilen hinter der Torlinie und hat nach hinten gegriffen, wo bitteschön hätte der Ball denn sonst sein sollen? In Kamerun? Torkamera hin oder her, unfähige Schiris haben auf dem Platz nichts verloren – genauso wenig wie unfähige Spieler, nebenbei bemerkt. Wie dem auch sei, lieber Uli Hoeneß: Ich respektiere Sie als großen Manager, als einen der wenigen Macher in Deutschland, die was auf die Beine gestellt haben. Aber dass der FC Bayern München hätte gewinnen müssen (!), sehe ich nicht so. Das Unentschieden geht vollkommen in Ordnung – und Rangnick, der inzwischen total arroganten Socke, gönne ich überhaupt nichts. Schönes Tor von Obasi, gut erarbeitetes Tor von Olic. Ich sehe keinen Grund, mich mit meinem Hintermann anzubrüllen. Hinter mir sitzt aber auch keiner. Noch ein Grund.

Mann, hat Felix Magath getobt. Der Gesundheit wegen, wir haben es alle im Sportschau-Interview vernommen. Die Nürnberger wirkten irgendwie naiv, obwohl lauter erfahrene Spieler auf dem Platz waren: Schäfer, Wolf, Pinola, Kluge, Mintal. Und keine alternden Würste wie Koller (gut, Charisteas kam in der 68. Minute) oder keine Ahnung, wen gab es denn noch in der Vergangenheit? Ist ja auch egal, scheiß Absteiger. Jedenfalls war das Spiel nicht besonders attraktiv, auch wenn die Tore exzellent vorbereitet waren – alle aus dem Spiel heraus. Besonders die jungen Wilden (muss man jetzt II dahinter hängen?) Zambrano, Kenia, Holtby noch nicht so, haben gut Remmidemmi gemacht. Auf der anderen Seite muss man mal sagen, dass der Club ein Stürmerproblem hat. Das Phantom ist noch nicht hundertprozentig in Form, Eigler ist vor dem Tor momentan zu beschränkt, könnte auch an der Form liegen, und anderweitig war ja leider nicht viel zu vernehmen. Vergessen wir nicht, dass Charisteas zwar offiziell das Tor vorbereitet hat, aber trocken bemerkt wurde sein Flachschuss gehalten. Das macht ein Messi anders. Oh, habe ich Charisteas mit Messi verglichen? Hahaha, ich Jux-Beutel.

Hertha habe ich nicht auf dem Zettel. Egal, wie erfolgreich die mit ihrem unansehnlichen Scheiß sind: Hertha interessiert mich nicht. Wie Hannover gespielt hat, na ja, war Hannover-typisch: ineffektiv, unattraktiv, grau. Viele bezeichnen ja Bochum als graue Maus der Liga, aber spätestens seit diesem Wochenende … Bochum. Ein Wahnsinn. Wie bitter es ist, eine vermeintlich sichere 3:0-Führung zu verspielen, habe ich letztes Jahr selbst erlebt – nur dass diesmal Gladbach selbst die Verantwortung übernehme muss und nicht das Schiedsrichtergespann. Dabei hatten die Fohlen noch Glück, dass Christofer Heimeroth so einen Bombentag erwischte – sonst wäre die Sache 5:3 ausgegangen. Über den HSV wollen wir doch nicht viele Worte verlieren, oder? Meine Fresse, war das eine Scheiße. Wenn ich HSV-Fan wäre, ich hätte mich eh nach der Werder-Scheiße letzte Saison erschossen. Aber nach dem Freiburgspiel hätte ich einfach gesagt: ja, das Beste am HSV ist immer noch Dino, das Maskottchen. Super Maskottchen, der Dino. Astrein. Zumindest beweglicher als die Offensive des labbadierten Haufens. Der hat Greuther Fürth geschafft, der hat Leverkusen geschafft, und der dollt jetzt auch noch den HSV. Aber Hauptsache jung und adrett. Mal sehen, wann Slomka sich ins Gespräch bringt.

Wolfsburg und Stuttgart trennten sich erwartungsgemäß. Nichts Neues an dieser Stelle. Aber Jens Lehman fordert, mehr zu investieren. Nicht, damit sich „der VfB im oberen Tabellenbereich etabliert“, sondern einfach nur seinetwegen. Es könnte seine letzte Bundesliga-Saison sein, und da will er noch einmal alles erreichen: Champions-League-Sieg, DFB-Pokal, EM, WM, PMS, keine Ahnung, auf jeden Fall alles. Dem ist es doch scheißegal, was mit dem VfB nach der Saison passiert. Ob die Pleite gehen, vor der brasilianischen Küste abstürzen oder was. Hauptsache, Herr Lehmann kann sich zwei oder drei Blechbüchsen in die heimische Vitrine stellen, direkt neben die Urkunde von Cosmos Direkt. Geile Taktik, aber ich hoffe doch sehr, dass Horst Heldt bloß nicht auf die schwachsinnigen Forderungen eines alternden Stars eingeht. Vielleicht schnappt sich Horst mal dem Jens seinen Schuh und wirft ihn vom Trainigsgelände. Wuff.

Jürgen Klopp und der BVB putzen Zvonimir Soldo und seine portugiesische B-Elf. Zumindest mit 1:0, von Putzen kann dann doch keine Rede sein. Aber verdient war er, der Heimsieg. Vom dicken Maniche kam noch nicht viel, auch wenn der ARD-Kommentator steif und fest das Gegenteil behauptete. Vielleicht erinnerte er sich an die geschmeidigen Bewegungen eines Ailton in seiner Bremer Zeit, aber auch der brauchte ein ganzes Jahr Anlauf. Jedenfalls war das Beste am Spiel Faryd „Ich muss auf jeden Fall ausgewechselt werden, auf jeden Fall, wechselt mich aus, Betreuer, zeig denen auf der Bank noch einmal deutlich, dass ich nicht weiterspielen kann, nein, es geht nicht, aua, das tut weh, Bänder, keine Ahnung, ich muss raus, schwere Verletzung, sechs Wochen Pau … ach nee, geht doch“ Mondragon, der eine Glanzparade nach der anderen hinlegte. Aber dieses Wochenende war ja nicht so der fantastische Spieltag für Glanzparaden. Hildebrand, Lehmann, Mondragon oder Heimeroth – 3 Mio. Glanzparaden, 0 Siege.

Erkenntnisse des Spieltags:

#1 Wir brauchen keine Torkamera, sondern bessere Schiedsrichter.

#2 Hoeneß brüllt zur Not einfach auch mal Tribünengäste an. Der Mann ist Klasse.

#3 62 Anstoßzeiten für 3 Spiele: die Kneipen freuen sich.

Offener Brief

Eingetragen am Di, 4. August 2009 um 10:41:28 Uhr von Maori.

Liebe Hamburger Autofahrerinnen,
liebe Hamburger Autofahrer,

mit Bedauern musste ich feststellen, dass Sie echt einen an der Klatsche haben. Vor einigen Jahren teilte ich Ihnen bereits mit, dass Sie bei jeder Nichtigkeit auf die Hupe kloppen, als gäbe es kein Morgen. Den gibt es aber, also lassen Sie bitte die verdammte scheiß Hupe in Ruhe. Diese lustigen Monumente, die rechts und links von der Straße stehen, sind KEINE, ich wiederhole: KEINE Attrappen. Da wohnen Menschen drin, Menschen wie Sie. Und wenn sie sich mal stereo an die Birne fassen, werden Sie feststellen: Aha, Ohren. So, und wenn Sie bei jeder Nichtigkeit wie ein Geisteskranker auf die Hupe hauen, gehen in den lustigen Monumenten rechts und links der Straße reihenweise Gehörgänge in den Arsch. Und das ist nicht nur anatomisch höchst bedenklich.

Zudem sollten Sie endlich aufhören, sich andauernd irgendwo zu verkeilen. Wenn Sie abbiegen wollen, dann biegen Sie einfach ab – und warten nicht, bis die halbe Kreuzung zugestellt ist und Sie mit Ihrem scheiß Polo weder vorwärts noch rückwärts kommen. Und bitte, bitte, bitte hören Sie auf, IN IHREM Fahrzeug den anderen Verkehrsteilnehmern Anweisungen zuzurufen. Erstens bringt das nichts, und zweitens sieht es lächerlich aus. Ach ja, falls Sie dabei auch noch hupen, hören die anderen Sie erst recht nicht. (Übrigens habe ich JETZT in diesem Moment, da ich den Scheiß hier schreibe, schon wieder jemanden hupen hören. Auf unserem Parkplatz! Es ist nicht zu fassen …)

Dürfte ich Sie noch um einen kleinen Gefallen bitten? Wenn es keine Parkplätze gibt, dann gibt es auch keine Parkplätze. Hören Sie bitte auf, trotzdem zu parken. Das bringt nichts. Meistens finden Sie Ihr Fahrzeug irgendwo auf der Abschlepphalde wieder. Und wenn nicht, sitzt garantiert jemand, der zugeparkt wurde, stundenlang auf dem Fahrersitz und hupt – wenn es sein muss, wochenlang. Es bringt auch nichts, vor Mitarbeiterparkplätzen zu warten. Die heißen „Mitarbeiterparkplatz“, weil da Mitarbeiter drauf parken – und die arbeiten den ganzen Tag, da können Sie Ihren verdammten Arsch rissig sitzen, da kommt keiner. Und verdammt noch mal, hören Sie auf zu HUPEN!!!

Mit freundlichen Grüßen,
Maori

Passanten, Teil VIII

Eingetragen am Mo, 3. August 2009 um 11:54:01 Uhr von Maori.

In meinem Alter erlebt man ja nichts mehr, ne? Also ganz ehrlich, zwischen Schule und Rente rennt man nur von A nach B, C ist nur für den Urlaub gedacht, obwohl Urlaub mit U anfängt und eine entsprechende Benennung die Sache vereinfachen würde. Aber wenn man von Einfachheit spricht, darf man erst gar nicht mit A und B anfangen, sondern spricht gleich von Wohnung und Arbeitsplatz. Und wenn man jetzt bedenkt, dass A für die Wohnung mit W und B für den Arbeitsplatz mit A steht, weiß man, dass man eigentlich von A nach A rennt, so tritt man praktisch gut 50 Jahre lang auf der Stelle. Abgesehen davon, wie soll sich bei diesen Gegebenheiten der Horizont erweitern? Ja, Scheiße. Egal. Jedenfalls habe ich in letzter Zeit feststellen müssen, dass Urlauber eine Spur schlimmer sind als stinknormale Passanten.

Beispiel U-Bahn: Der Passant steigt aus der U-Bahn und bleibt stehen, blickt nach rechts, blickt nach links, trifft gemächlich eine grobe Richtungsentscheidung und beginnt schließlich, sich zu bewegen. Der Urlauber steigt aus der U-Bahn, bleibt stehen – und wartet (!) auf seine Begleiter. Die aber nicht aussteigen können, weil ihr eigener Mann im Weg steht. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Typ, der in der Tür stehenbleibt und auf Leute wartet, die durch diese Tür müssen. Sensationell, so etwas kann man sich nicht einmal ausdenken. Noch geiler sind die, die einsteigen und stehenbleiben, um auf den Fahrplan an der Decke zu gucken. Hinter dem Planlosen stauen sich diejenigen, die liebend gerne mitfahren würden. Ich habe Hamster gesehen, die sich cleverer verhalten haben.

Beispiel Hafen: Der Passant trottet gemächlich vor sich her, sehr gemächlich, aber das ist ja auch irgendwo in Ordnung, schließlich ist der Hafen der Hafen. Wer schon einmal hier war, weiß, dass das so ist. Also der Hafen der Hafen. Und schön. Aber der Urlauber macht das Ganze erst spannend. Urlaber beherrschen die Kunst, mit wenigen Personen eine maximale Blockade zu erzielen. Zunächst geht es denen mal dezent am Arsch vorbei, ob sie zu zweit oder zu sechst sind: immer schön nebeneinander. Schlimm sind die mit identischen T-Shirts, aber das ist ein anderes Thema. Ich frage mich wirklich, wieso Gruppen aufgereiht nebeneinander am Hafen entlanggehen müssen. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn! Nebeneinander! Wir sind hier doch nicht vor nem scheiß Länderspiel. Und dann die Abstände zwischen den einzelnen Personen: immer genau soviel, dass niemand durchpasst. Deshalb freue ich mich immer wie Bolle, wenn einer Urlaubergruppe eine andere entgegenkommt. Das ist praktisch wie die Nummer mit den Spaniern, die auf der steinernen Brücke nach Tenochtitlán mit den Aztekenkriegern zusammentrafen, wobei streng genommen die Azteken Passanten waren und keine Urlauber, aber das nur nebenbei. Das macht rumms, und dann denkt man, aha, Hamburg, ein Erdbebengebiet.

Übrigens kommt das alles daher, dass Urlauber sich im Urlaub wähnen (Wieso wähnen? Die sind im Urlaub, Mensch …) und einfach mal das Hirn abschalten. Deshalb bringt das ja auch nichts, im Urlaub ins Museum zu gehen. Habe ich schon so oft gemacht, aber was dann hängen bleibt ist nicht einmal mit dem Wort „dürftig“ treffend beschrieben. So entsteht Halbwissen, meine Damen und Herren, und dann sitzen Sie bei Günther Jauch und denken sich, ach das, das weiß ich doch, das habe ich doch mal in Kairo im Nationalmuseum gesehen, aber Arsch lecken, zack, und dann gehen Sie mit € 500 und viel Hohn und Spott nach Hause. Geht schneller als Sie denken. Wie dem auch sei, vielleicht sollte man als Urlauber grundsätzlich Baustellen meiden. Wie überall in Deutschland wird auch in Hamburg gerade wie blöde gebaut. Während Passanten gerade noch so den Weg durch den Bauschutt finden, laufen Urlauber auch mal völlig stumpf und ohne mit der Wimper zu zucken gegen fahrende Autos. Ich meine, Baustelle hin oder her, wenn da ein Auto kommt, weiß ich doch: ich kann nicht gewinnen, da laufe ich mal besser nicht gegen. Japaner haben dieses Problem schon vor Jahrzehnten eliminiert: durch Reisegruppen. 20 bis 30 Urlauber laufen einer arbeitenden Person hinterher, nämlich der Reiseleiterin. Klappt aber nur, wenn es sich um so kleine Menschen wie Japaner handelt. Gewaltig proportionierte US-Touristen kommen einer zierlichen Reiseleiterin schnell abhanden, und dann geht der Ärger von Neuem los.

Übrigens habe ich letztens mal einen süddeutschen Reiseleiter getroffen, der ein älteres Ehepaar suchte – um ungefähr 23 Uhr am Hafen. Blöderweise langweilten sich die anderen älteren Ehepaare im Bus so sehr, dass sie begannen, auf eigene Faust zu suchen. Ich glaube, der Reiseleiter war bis um 3 Uhr nachts unterwegs, um die ganzen entlaufenen älteren Ehepaare wieder einzufangen. Aber das, meine Lieben, ist eine völlig andere Geschichte.

Durchdrehtrend

Eingetragen am Mo, 27. Juli 2009 um 16:53:19 Uhr von Maori.

Hmm, so auf den ersten Blick könnte man „durchdrehend“ oder „durchtretend“ lesen, aber nein, darauf wollte ich jetzt nicht hinaus. Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit sehr viele Menschen in aller Öffentlichkeit durchdrehen. Natürlich spielen diverse B-, C-, F- und H-Promis ihre Rollen, beispielsweise die Winehouse, aber das sind ja eher harmlose Späße. Nein, ich meine die Schweizer Idioten, die in München einfach mal so ein paar Leuten in die Fresse gehauen haben. Ich meine den Typen, der vor Wut sein eigenes Haus angezündet hat. Ich meine den Typen letztens bei uns vor der Firma, der einen Autofahrer aber so dermaßen angebrüllt hat, dass ich Angst um seine Lungenstabilität bekam.

Einerseits bewirkt die totale Vernetzung der Welt, dass ich jederzeit alle Ausraster von Australia bis Austria mitbekomme – andererseits fallen mir aber immer mehr unkoordinierte Verhaltensstörungen (ist das doppelt gemoppelt?) im Alltag auf. Saugeil finde ich die Alte, die manchmal mit ihrem doofen Hund an meiner Wohnung vorbeispaziert. Der Hund bellt halt mal gerne, wenn ein anderer Hund in der Nähe ist. Und da bei uns andauernd andere Hunde in der Nähe sind, bellt der Hund der Alten natürlich auf Schritt und Tritt wie ein geistesgestörter Bastard. Jetzt denken Sie sich: Schuld ist nur das Frauchen allein. Richtig. Denn was macht die Alte, wenn der Hund anfängt wie Klaus Kinski abzugehen? Richtig: Sie schreit den Hund an, er solle nicht so doof rumbellen. Im Endeffekt werde ich also an einem Sonntagmorgen von zwei wie bescheuert bellenden Hunden und einer wie bescheuert brüllenden Frau geweckt. Ein Traum.

Früher dachte ich ja, die Hanseaten seien gelassen. Entspannt. Nordisch kühl. Keine Ahnung, ob die vielen Zugezogenen den hanseatischen Genpool verwässert haben, jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn sich ein Hamburger in Rage geredet hat, dann stoppt den weder Ochs noch Esel, frei nach Honecker. Eine weitere Möglichkeit neben der Genpool-Sache wäre eben die permanente Verfügbarkeit weltweiter Ausraster, die wiederum die eigentlich kühlen Hanseaten zur Nachahmung inspirieren. Denn eines müssen wir doch zugeben: Ausrasten macht Spaß. Ob Uli Hoeneß oder Rudi Völler, die machen das ja nicht, weil sie sich so dolle aufregen. Nein. Wer möchte denn nicht gerne mal herumbrüllen? Mal als so richtig gefährlich gelten? Und wenn man fertig ist, ab damit auf YouTube. Kein Trend ohne Gegentrend, klar, aber mittlerweile sind Trends so kurzlebig, dass sie sich mit Gegentrends und Gegen-Gegentrends überschneiden. Am Ende kommt dann irgendso ein Wust raus, bei dem man nicht mehr weiß, was richtig oder falsch ist.

Und die Moral von der Geschicht’? Einfach mal weniger ans Ausrasten denken. Stattdessen mal was echt Leckeres essen. Essen ist eh viel geiler als Ausrasten, ich sag’s Ihnen.

Leben oder sterben lassen?

Eingetragen am Do, 23. Juli 2009 um 9:59:16 Uhr von Maori.

In England hat sich ein 22jähriger totgesoffen. Ihm wurde eine Spenderleber verweigert – eben wegen seines Alkoholismus; da sind die Briten rigoros. Nun beklagt sich die Mutter über die Ungerechtigkeit, und muss sich doch die Kritik anhören, zumindest teilweise mitschuldig zu sein. Schließlich war der Sohnemann seit dem 13. Lebensjahr (oder noch früher) exzessiver Trinker – ich kenne die Umstände nicht, in der Mutter und Sohn lebten. Aber die Frage sei gestellt, wieso der 22jährige eine rare Spenderleber verdient hätte – mehr als jemand, der vielleicht an einer angeborenen Leberkrankheit leidet.

Ethisch ist die Sache relativ klar: ein Menschenleben darf man nicht werten, egal ob es sich um einen Kinderschänder, einen Shaolin oder deine Mudder handelt. Menschenleben ist Menschenleben, das eine so schützenswert wie das andere. Behinderte ebenso wie Verwaltungsbeamte. In diesem Fall hätte der junge Mann eine neue Leber und damit eine zweite Chance erhalten müssen, vorausgesetzt, es hätte ein geeignetes Spenderorgan gegeben. Möglicherweise hätte er weitergesoffen und auch die zweite Leber kaputtgetrunken, während irgendwo anders ein kranker Mensch mangels Spenderleber gestorben wäre. Möglicherweise hätte er aber auch angsichts des knappen Überlebens seine Lebensweise geändert, wäre vielleicht Arzt geworden – und hätte vielleicht nach Feierabend Suppen an Obdachlose verteilt. Man weiß es nicht.

Ein anderer Standpunkt ist folgender: Der Junge hatte 9 Jahre Zeit, sich Gedanken über seine Lebensweise zu machen. Mittlerweile – in einer relativ aufgeklärten Welt – sollte jeder Arsch wissen, was Alkoholismus so alles im Körper anstellt. Er hatte die Wahl, mit dem Trinken aufzuhören, und hat trotzdem weitergesoffen. Natürlich ist irgendwann die Leber kaputt, nicht umsonst enthält jeder dritte Säuferspruch das Wort „Leber“. Hat so jemand eine Spenderleber verdient? Die Frage stellt sich – ich kann es, siehe zweiter Abschnitt, nicht wirklich beantworten. Pauschal zu urteilen fällt immer leicht, ist aber selten richtig. Man muss die Umstände kennen – ich kenne sie nicht. Was meinen Sie denn so?

Kommentar-Kommentar

Eingetragen am Fr, 26. Juni 2009 um 12:29:06 Uhr von Maori.

Vor einigen Jahren, es müsste 1977 gewesen sein, habe ich mich fürchterlich über die Kommentatoren auf stern.de aufgeregt. Unter den ganzen Boulevard-Geschichten wie beispielsweise der Hochzeit von Boris Becker reihen sich Kommentare mit dem Inhalt: „Wieso begibt sich Stern auf das Niveau?“ Daraus kann man dann auch rasch schließen, dass eben die Leute, die angeblich über mehr Niveau verfügen (Selbsteinschätzung), auf solche Artikel klicken. Sie dürften also die Letzten sein, die sich darüber beschweren.

Noch viel besser finde ich aber die Aggressivität der Kommentatoren – und das ist mir auch schon auf anderen Websites aufgefallen. Bei mir, okay, das kann ich gut verstehen, schließlich pöble ich den ganzen Tag herum wie der Rohrspatz himself. Aber auf 11freunde.de zum Beispiel gibt es einige, die ausschließlich darauf aus sind, bestimmte Artikel niederzumachen und herumzumosern. Dabei könnte man doch genauso gut Korrekturen auflisten, ohne gleich beleidigend zu werden. All diese Webangebote sind kostenlos – und nur weil man sich drei Banner angucken muss, heißt das noch lange nicht, dass man das Recht auf das Beste vom Besten hat. Um ehrlich zu sein, Leute, die unter einem Artikel über Hauptschulen gegen Multikulti wettern, haben meiner Meinung nach maximal die Menschenrechte (kein Folter und der ganze Kram) verdient, aber wohl keinen einzigen vernünftigen Artikel. Über die rege ich mich ja besonders auf: Leute, die ihr „Wissen“ von „Richter Alexander Hold“ und „Frauentausch“ „holen“, und dann auf dicke Hose machen. Das Mittelmaß-Volk im Vollrausch.

Wie lautet das Fazit? Anonymität fördert Idiotie. Intelligenter werden Gespräche dadurch ganz bestimmt nicht. Im wahren Leben muss man Konfrontationen fürchten und ist zu Kompromissen bereit, außerdem wird vis-a-vis das Ausweichen erschwert, falls man sich zu sehr in die Ecke gedrägt fühlt. Im Internet ist es ein Leichtes, in die Runde zu pöbeln und dann das Weite zu suchen – ohne Konsequenzen. Einfach mal in die Runde kotzen, Hauptsache was gesagt. Sogar auf Spiegel Online lassen sich die Leute gehen (auch darüber habe ich mal gepöbelt). Ich wünsche mir auf den Websites der Weltpresse mehr Höflichkeit. Bitte.