An Board/An Bord

Eingetragen am Mi, 18. Januar 2012 um 10:36:36 Uhr von Maori.

Ich schreibe für AIDA, und zwangsläufig stolperte ich vor wenigen Wochen während meiner Arbeit über den Rechtschreibfehler „an Board“. Ich möchte Ihnen etwas Wichtiges mitteilen: „An Board“ gibt es nicht. Auf Englisch gibt es den Ausdruck „on board“, aber ich schreibe ja auch nicht, ich sei „zu House“. Wieso ich das jetzt sogar in einem Blogeintrag verwurste? Weil mir der Fehler permanent begegnet, besonders in den Leserkommentaren diverser Online-Zeitungen. Man ist „an Bord“, liebe Leute, das deutsche Wort heißt Bord und bezeichnet die Oberkante eines Wasserfahrzeugs (laut Wikipedia). Wenn man allerdings mit einem Board (Skate-, Longboard etc.) unterwegs sein möchte, ist man nicht „an Board“, sondern „auf einem Board“.

Meinen Sie mich? Nein, mein Sohn heißt ebenfalls Bort.

Amazon Kindle: Der offizielle dosen|apfel Testbericht

Eingetragen am Mo, 7. November 2011 um 12:41:07 Uhr von Maori.

Na ja, so offiziell ist er auch nicht. Er ist der einzige. Ich besitze den Amazon Kindle (ausgesprochen: Kindel) der 3. Generation mit Tastatur. Kurz die Eckdaten, da sie allgemein bekannt sein dürften: E-Ink-Display, 4 GB interner Speicher für ein paar Tausend E-Books, 3G und WLAN, Menüsprache: Englisch.

Wie funktioniert das mit den E-Books? Nun ja, ganz einfach: E-Books sind speziell formatierte Textdokumente, die auf dem Display so angezeigt werden, wie man das Gerät eingestellt hat. Das bedeutet, man kann selbst die Schriftgröße einstellen und hoch- oder querformatig lesen. Das Kindle wird mit dem eigenen Amazon-Konto verknüpft. Dort werden automatisch alle E-Books gespeichert, die Sie kaufen. Diese können Sie beliebig auf Ihren Kindle laden und wieder runterwerfen. E-Books für den Kindle können Sie bei Amazon ganz normal kaufen, wie Papierbücher auch. Das geschieht entweder am Rechner wie Sie es gewohnt sind, oder mit dem Kindle selbst. Sind die Drahtlosverbindungen des Kindle eingeschaltet, können Sie mit dem Gerät direkt im Kindle-Shop herumwühlen und Bücher kaufen. Von jedem Buch kann man sich auch erstmal eine kostenlose Leseprobe herunterladen. Entspricht das Buch den Erwartungen, kann man aus der Leseprobe heraus das Buch kaufen und direkt nahtlos weiterlesen.

Die Bücher können weder verschenkt noch verliehen werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Gestattet der Verlag eine Ausleihe, kann man das Buch für 14 Tage an eine andere Person ausleihen – danach aber nie wieder. Denn sonst könnte man ja das Buch immer wieder ausleihen. Prima für Familien, Paare, Freunde und Lesezirkel: Man kann auf ein Amazon-Konto mehrere Geräte anmelden. Es ist also möglich, mit Freunden einen Lesezirkel zu gründen, ein gemeinsames Amazon-Konto anzulegen, ein Kassenwart sammelt das Geld ein und bestellt über das Amazon-Konto die Bücher, und alle können mit ihren Geräten auf das Buch zugreifen. Alle können gleichzeitig im selben Buch lesen – jeder für sich. Versuchen Sie das mal mit einem Papierbuch. Übrigens sollten alle die Drahtlosverbindung ausstellen, sonst werden die Lesezeichen synchronisiert, und keiner findet seine eigene Textstelle wieder.

Der Kindle kann PDFs und mobi-Dateien anzeigen, epub dagegen nicht. Die epubs müssen vorher konvertiert werden, aber um ehrlich zu sein, ich lese einfach nur meine Kindle-Bücher auf dem Kindle. Alles andere ist mir zu unpraktisch. Apropos, auch für PDFs ist der Kindle nicht gemacht. Texte gehen noch einigermaßen, aber sobald grafische Spielereien auftauchen, wird es richtig umständlich und nervig. Daher gilt die Regel: Der Kindle ist zum Textelesen da, nicht für aufwändige Grafiken, Bilder geschweige denn Fotos, etc.

Was bedeutet 3G? 3G steht für den Mobilfunkstandard der 3. Generation: UMTS. Schnelle Datenübertragung quasi. Amazon hat mit einigen Mobilfunkanbietern wie Vodafone in über 100 Ländern der Welt Verträge abgeschlossen, so dass man mit dem Kindle mit 3G kostenlos und ohne monatliche Gebühren überall, wo man auch UMTS-Empfang hätte, Bücher kaufen und lesen kann. Aber es kommt noch besser: Im Kindle ist ein provisorischer Browser, mit dem man auf Newsseiten wie Zeit Online durchaus passabel herumsurfen kann. Kostenlos. Überall auf der Welt. Während Ihre Reisebegleiter mit ihren lächerlichen iPhones Roaming-Gebühren ohne Ende zahlen, gucken Sie mal eben mit Ihrem Kindle auf Kicker.de die aktuellen Fußballergebnisse oder auf Spiegel Online interessante Nachrichten nach. Kostenlos. Eine wirklich praktische Sache.

Wie funktioniert das Lesen selbst? Ausgezeichnet. Rechts und links am Gerät befinden sich Vor- und Zurückschalter, und zwar jeweils. Das bedeutet, Sie können mit nur einer Hand das Gerät halten und weiterblättern, ob als Links- oder Rechtshänder. Auch hier wieder: Versuchen Sie das mal mit einem 800-Seiter auf Papier. Durchaus praktisch, wenn man mal in der Bahn keinen Sitzplatz findet. Typografische Feinheiten darf man auf dem Kindle nicht erwarten. Blättere ich allerdings durch aktuelle Bestseller, erwartet mich dort ein ähnliches Niveau. Das E-Ink-Display sieht aus wie ein bedrucktes Blatt Papier und verhält sich auch so. Es leuchtet nicht, daher ermüden die Augen beim Lesen nicht. Zudem hält der Akku dadurch extrem lange. Und wir reden hier nicht von sechs oder acht Stunden, sondern von einem Monat! Im knalligsten Sonnenschein kann man noch hervorragend lesen, während die iPad-Besitzer bestenfalls sich selbst sehen. Man kann Textstellen suchen (versuchen Sie das mal mit … Sie wissen schon), markieren, einzelne Wörter direkt im Wörterbuch nachschlagen, übersetzen lassen, usw.

Für wen ist das Kindle nicht geeignet? Wenn Sie das Gefühl von Papier in der Hand unbedingt brauchen, während Sie lesen, dann ist der Kindle nichts für Sie. Mit anderen Worten: Bevorzugen Sie einen Röhrenfernseher, weil diese modernen Flachbildschirme einfach nicht das richtige Fernsehgefühl vermitteln? Tragen Sie einen Ghettoblaster mit sich herum, weil MP3-Player so unpersönlich daherkommen? Und bei Ihnen Zuhause steht sowieso nur ein Plattenspieler, weil das besser klingt als diese ganzen modernen Geräte, die eigentlich viel breitere Frequenzen abdecken und dadurch Instrumente und Stimmen umfangreicher wiedergeben können, aber beim Abspielen nicht knarren und knarzen? Lassen Sie mich raten: Sie fahren lieber mit einer Kutsche von A nach B, weil Sie dadurch die Landschaft viel intensiver genießen können als mit Bahn oder Flugzeug? Dann ist der Kindle wirklich nichts für Sie. Denn der Kindle ist nur für Leute, die den Text, die Geschichte, den Inhalt schätzen, und nicht die Form. Wer beim Lesen ernsthaft darüber nachdenkt, ob er Papier oder Kunstleder oder Holz in der Hand hält, liest eine wahrlich miserable Geschichte. Außerdem meinen viele seltsamerweise, es gehe hier um entweder oder. Entweder Papierbücher oder Kindle. Beides? Hallo? Wäre doch auch mal ein Denkansatz. So wie mit der Musik: CD-Player für die CD-Sammlung, MP3s für unterwegs, einen Plattenspieler für die alten Jazzplatten vom Vater.

Vorteile gegenüber Papierbüchern:
· auf Dauer günstiger
· auf Dauer umweltfreundlicher
· immer seine Bibliothek dabei
· immer Nachschub vorhanden, ob im Urlaub, in der Bahn oder sonst wo
· Schriftgröße skalierbar (z.B. bei Sehschwäche)
· Volltextsuche (z.B. wenn man ein tolles Zitat sucht und nicht mehr weiß, woher es stammt)
· Thesaurus (mitten beim Lesen Wörter nachschlagen)
· Browser
· für Vielleser ein echter Platzssparer
· für Vielleser ein echtes Leichtgewicht auf Urlaubsreisen
· Display reflektiert in der Sonne nicht so stark wie Papier
· Blättern mit nur einer Hand
· nie wieder aus Versehen Buch zuschlagen
· automatisches Lesezeichen (wenn man schnell aus der Bahn aussteigen muss, sehr praktisch)

Vorteile des Papierbuchs:
· verbraucht keinen Strom
· Bilder/Fotos besser
· Farbe möglich
· wesentlich mehr Bücher verfügbar
· wenn es ins Wasser fällt, kann man es trocknen und weiterlesen
· wenn man es irgendwo liegen lässt, wird es nicht gleich geklaut
· Abholzung der Bäume schafft Platz für Sand und Kakteen

Ich empfehle jedem Skeptiker, einen Reader in die Hand zu nehmen und ein wenig damit herumzuspielen. Allen Gegnern kann ich nur sagen: Wer lieber im Gestern leben will, sollte so konsequent sein, in eine Höhle zu ziehen. Übrigens kann man dosen|apfel ebenfalls hervorragend auf dem Kindle lesen. Nur so nebenbei bemerkt. Haben Sie Fragen zum Gerät? Fragen Sie, ich versuche ausführlich und gewissenhaft zu antworten.

Nachtrag 9. November 2011:

Es gibt eine typografische Eigenheit, die mich stört. Wenn ein Gedankenstrich im Text auftaucht, sind die Leerzeichen rechts und links davon starr. Wird die Zeile wegen des erzwungenen Blocksatzes gestreckt, werden die Leerzeichen zwischen allen Wörtern vergrößert, nur die am Gedankenstrich nicht. Dadurch hat man das Gefühl, es handele sich um einen Bindestrich. Das sorgt beim Lesen für Irritationen.

Können Hamburger keine Currywurst zubereiten?

Eingetragen am Mi, 19. Oktober 2011 um 15:11:58 Uhr von Maori.

So schwer kann’s ja nicht sein: eine gute Brat- oder Grillwurst (in Deutschland in Hülle und Fülle vorhanden), dazu eine Currysoße aus einfachen, frischen Zutaten. Tomaten beispielsweise, Chili, Curry, Zwiebeln vielleicht noch, Gewürze, Tomatenmark und ein wenig Zucker. Keine Ahnung, muss jeder selber wissen. Aber irgendwie scheinen die Hamburger zu meinen, bei der Currywurst müsse der Curry in die Wurst und alles wäre fein. Das stimmt aber nicht. Die ersten Currywürste waren einfache Bratwürste mit Currysoße, nichts weiter. Und genau auf diese Einfachheit konzentrieren sich nur die Wenigsten.

Meine erste Hamburger Currywurst aß ich am Schulterblatt bei „Schmitt Foxy Food“, angeblich die beste Currywurst Hamburgs. Die war auch wirklich ganz ordentlich, nur sind die Qualitätsschwankungen dort für mich als erfahrenen Currywurstesser inakzeptabel. Ich möchte eine heiße Currywurst mit knusprigen Pommes, fertig, aus. Keine lauwarmen, nicht richtig geschnittenen Würste oder salzigen halbgaren Pommes.

Dann habe ich mal eine Currywurst beim Curry Grindel gegessen, angeblich die beste Currywurst Hamburgs. Die war auch recht ordentlich, nur jetzt nicht so genial, dass sich die umständliche Fahrt dort ins Niemandsland Hamburgs lohnen würde. Nun wirklich nicht. Die beste Currywurst? Wohl nur für Leute, die im Leben nicht so häufig eine Currywurst bestellen und meinen, eine Meinung zu allem abgeben zu müssen (ich denke da gerade an eine bestimmte Person, die wahrscheinlich nicht Sie sind).

Die nächste Currywurst habe ich dann beim Mö-Grill gegessen, sowohl an der Mö als auch am Jungfernstieg. Beim Jungfernstieg gibt es auch noch Pommes dazu, hurra. Ich finde die Mö-Currywürste wirklich lecker. Die Soße ist klasse, ein bisschen pikant, aber nicht wie ein trockener Arschfick, einfach mal eine saubere, leckere Sache. Nur: dieses Rumstehen geht mir jedes Mal auf den Sack. Gemütlichkeit ist etwas anderes.

Dann gibt es noch das Edel Curry. Neuerdings haben die auch eine Filiale bei meiner Arbeitsstelle um die Ecke. Dort bekommt man laut Selbstauskunft (bzw. Galileo, kein Scherz!) die beste Currywurst Deutschlands. Machen wir es kurz: Das ist schlicht und ergreifend gelogen. Die Currywurst kann mit einer typischen Ruhrpott- oder Berliner Currywurst einfach nicht mithalten, im Leben nicht. Die Wurst unterscheidet sich ein wenig von einer normalen Thüringer. Sie ist dicker, aus Kalb soweit ich mich erinnere. Die Currywurst schmeckt durchaus gut, und die Pommes sind meistens auch in Ordnung. Das Highlight ist aber die Soßenauswahl für die Pommes. Ja. Irgendwie hat man das Gefühl, beim Edel Curry geht es um die Pommes. Wat weiß ich.

Am Hauptbahnhof gibt es eine Filiale des „Currywurst Express“. Das ist eine Kette, soweit ich weiß, und häufiger an Bahnhöfen zu finden. Deshalb handelt es sich auch nicht um eine Hamburger Currywurst. Trotzdem muss ich sagen, dass sie ganz ordentliches Essen servieren. Vor einer Bahnfahrt darf es auch mal ein bisschen schneller zugehen, und hier bekommt man recht fix seinen Teller, geht schon in Ordnung, der Laden.

Mitten in der Wandelhalle im Hauptbahnhof gibt es noch einen Tresen von Hareico, dem Wursthersteller. Der serviert frisch gebrutzelte Hareico-Würste, auch Currywurst mit Pommes. Die Soße ist nicht ganz so genial, aber ebenfalls akzeptabel und durchaus okay. An die ruppige Tonart der Bedienung muss man sich erst gewöhnen, aber sie meinen es durchaus freundlich. Ist halt so in Hamburg, ne?

Irgendwann vor einigen Jahren habe ich mal eine Currywurst beim Lütt’n Grill gegessen. Für manch einen die beste Hamburgs. Lächerlich. Klar, die Wurst war riesig, aber das war’s auch schon. Die Qualität dieses Essens war besonders für die gesalzenen Preise eher eine Unverschämtheit. Daher ist es bisher bei diesem einen Besuch geblieben.

Vorhin aber war ich mit meinen Arbeitskollegen beim Curry Club. Sorry, aber es war mit Abstand die schlimmste Mittagspause seit dieser ominösen Fischgeschichte im Portugiesenviertel. Zunächst einmal schwirrte ein TV-Team des ZDF im Lokal herum (morgen Mittagsmagazin, da sind wir zu sehen). Dann war die eine Bedienung (eine Frau) etwas dusselig. Das Essen schmeckte – es tut mir leid, das so deutlich sagen zu müssen – scheiße. Geschmäcker sind verschieden, ich weiß, aber diese Soße war alles, nur nicht Curry. Indiskutabel. Sie schmeckte glutamatverseucht und viel zu streng, eher wie aufgewärmte Fischsoße aus dem Asiamarkt. Und die Pommes waren nicht durch. Außerdem waren die Fußleisten frisch gestrichen, was uns einige weiße Flecken auf unseren Jacken eingebracht hat. Wenigstens kommt der Curry Club für die Reinigungskosten auf.

Mein persönlicher Favorit bis dato: Mö. Aber für Alternativen und Tipps bin ich sehr dankbar. Hinweis dazu: Ich komme aus dem Pott, und die beste Currywurst bis dato habe ich vor 15 Jahren im Butendorfer Grill in Gladbeck gegessen. Auch für die Berliner Currywurst bin ich empfänglich, aber ich frage mich trotzdem häufig, wieso sich die Berliner auf die was einbilden. Die beste Currywurst der Welt ist sie auch nicht, und wenn ein Berliner so was sagt, dann glaube ich das erst recht nicht. So. Ach ja: Ich wüsste auch gern, welcher Hersteller die beste vegetarische Bratwurst herstellt. Alles, was ich an Tofuscheiße bisher gegessen habe, war an sich gleichwertig mit Kotze.

Nachtrag 7. November 2011:

Ich habe mir sagen lassen, der Inhaber des Curry Clubs habe sich über meinen Blogeintrag geärgert. Das wundert mich nicht, ich wäre sicherlich auch nicht glücklich darüber. Aber er sollte sich auch mal in unsere Lage hineinversetzen. Die Wurst selbst war in Ordnung, aber wie gesagt, die Soße schmeckte viel zu heftig nach irgendwelchen Aromen – und kein bisschen nach Curry. Niemandem von uns hat sie geschmeckt. Es wäre ja nicht so, dass ich hier herumhasse. Außerdem waren die Pommes nicht durch. Pommes. Die sollte man ja wohl noch hinbekommen.

Es gibt unterschiedliche Arten, wie Gäste auf so etwas reagieren können. Entweder beschweren sie sich, oder sie kommen einfach nicht mehr wieder. Wir haben uns für Variante 2 entschieden, und daran gibt es nichts auszusetzen, schreiben Sie sich das hinter die Ohren! Beziehungsweise, wir hätten uns gerne für Variante 2 entschieden, wäre da nicht die Sache mit den frisch gestrichenen Fußleisten gewesen. Und die, lieber Inhaber, haben dem ganzen ja noch die Krone aufgesetzt. Natürlich kann das mal passieren, aber wieso streichen Sie die Fußleisten vor Betriebsbeginn? Die Jacken sind ruiniert, davon eine, die im Second Hand Shop erworben wurde und nicht zu ersetzen ist. Würden Sie sich nicht aufregen? Da fehlt mir jegliches Verständnis für Ihre Reaktion. Glücklicherweise habe ich meine Jacke auf die Bank gelegt, sonst hätten Sie es jetzt mit mir zu tun – und mit mir wäre das Ganze nicht so schiedlich friedlich, besonders, wenn Sie nicht einmal kritikfähig sind.

Mich jedenfalls werden Sie jetzt auf gar keinen Fall mehr wieder sehen. Nebenbei bemerkt fand ich Sie bei unserem Besuch durchaus sehr freundlich und zuvorkommend. Wieso das jetzt in eine solche Richtung gehen muss, na ja, das werden Sie sicherlich besser wissen als ich. Aber da Sie glücklicherweise kein Monopolist sind, brauchen wir das Ganze ja nicht weiter vertiefen, nech?

Steffen Dschimon

Eingetragen am Do, 18. August 2011 um 12:27:30 Uhr von Maori.

Als Ausländer bin ich es gewohnt, dass man meinen Namen falsch ausspricht. Mein (deutscher) Kumpel Jan musste die Erfahrung machen, als er mal in die Staaten flog. Denn dort wurde er von Jan zu Dschän. „Maori“ lässt nicht so viele Interpretationsmöglichkeiten zu, mag man meinen. Falsch gemeint, schließlich ist der deutsche Durchschnittstrottel zu kreativen Höchstleistungen fähig, wenn es darum geht, etwas falsch zu machen. Gerne wird mein Name auf dem o betont, also anstatt Mao-ri Ma-OH-ri ausgesprochen. Geschenkt.

In letzter Zeit fällt mir eine Anhäufung fehlerhafter Aussprachen im deutschen Fernsehen auf. Legendär natürlich das „Anthar Dschahia“ von Steffen Simon während des Relegationsspiels Gladbach gegen Bochum, der dafür vom 11-Freunde-Ticker entsprechend umgetauft wurde. Ein anderes Beispiel für „Ich spreche den Namen aus, wie ich will, damit es irgendwie international und richtig klingt“: Auf Sport 1 (ehemals DSF) philosophierte der Kommentator über einen gewissen Herrn Suaresch. Woher das „sch“ kommt, weiß wohl nur er. Mein Topfavorit der Dämlichkeitsliste in der gesamten Fußballwelt ist allerdings Thomas Strunz. Nicht nur, dass er sich von einem Stefan Effenberg (!) die Frau ausspannen lässt. Es gibt einen Mitschnitt von einer Pressekonferenz mit Louis van Gaal, bei der der niederländische Trainer genauestens erklärt, wie sein Name ausgesprochen wird: „Lu’i fann Chaal.“ Er wiederholt es sogar noch einmal für die ganz Doofen. An die ganz, ganz, ganz Doofen hat er leider nicht gedacht; wie sonst erklärt es sich, dass Strunz völlig stumpf behauptet, der Mann heiße „Luisfanngahl“?

Ach ja, wo wir schon mal beim Thema sind: Raúl González Blanco hat nicht umsonst dieses Dingens überm u. Spanische Wörter sind total einfach zu betonen, vor allem, wenn irgendwo dieses Dingens über einem Vokal hängt. Denn dann wird das Wort genau dort betont. Ra-Uhl. Und trotzdem gibt es immer noch Kommentatoren, die den Namen mit au aussprechen: Raul. Rauauauauaul. Nun ja. Bei japanischen Namen sollte ich erst gar nicht anfangen. Kagawa. Okazaki. Aber am schlechtesten kommt Atsuto Uchida weg, den das Schmierblatt mit den großen vier Buchstaben in aller Regelmäßigkeit Ushida nennt. Uchida schreibt sich Uchida, und wird Utschida ausgesprochen. Tsch. Noch ein Beispiel? Serdar Taşçı (hierzulande oft Tasci geschrieben). Er wird gerne „Taski“ ausgesprochen, dabei reicht ein kurzer Blick auf den Wikipedia-Artikel, um herauszufinden, dass der Name Taschtsch’ (hinten mit einem verschluckten ä) ausgesprochen wird.

Wie dem auch sei, Steffen Dschimon und seine Freunde werden sich weiterhin einen Scheißdreck um korrekte Aussprachen scheren. Es stimmt schon: Die Qualität des Journalismus in Deutschland ist erschreckend niedrig. Sogar ich als läppischer Werber könnte mir solche Nachlässigkeiten in meinem Job nie erlauben. Aber na ja, wer den ganzen Tag nur Fußball guckt, wird halt irgendwann blöde. Ein Spiel pro Abend reicht völlig aus.

Realitätsverlust in der Werbebranche

Eingetragen am Mi, 17. August 2011 um 10:19:11 Uhr von Maori.

Manche Dinge ändern sich nie: Die Alten schimpfen auf die Jungen, alles wird teurer, in China essen sie Hunde, die Briten können keine Autos bauen. Aber die Werbebranche kann sich nicht in diese Aufzählung einreihen. Früher ein Feuerwerk aus Ego, Gel und Koks, Geld, Crack und Nutten, entwickelte sie sich in nur wenigen Jahrzehnten zu einer Discountbranche für Hirnzellenschoner.

Was mir aber immer wieder auffällt: Wenn Personaler auf Opferfang gehen, sind sie immer noch voller Überzeugung in den Jubel- und Trubeljahren der Werbewelt. Von „hungrigen“ Praktikanten ist die Rede, wobei ich Ihnen versichern kann, dass „hungrig“ meistens zutrifft, nur anders als ursprünglich gemeint. Oder es werden „motivierte“ Teams mit „kreativ gut gefüllten“ Mappen gesucht, wobei dezent verschwiegen wird, dass das Team künftig auf irgendeinen unkreativen Scheißkunden gesetzt und über Jahre zermürbt wird, bis nur noch ein paar Burnoutopfer übrig bleiben.

Und dann wundert sich das Branchenblatt W&V über mangelnden Nachwuchs, um im selben Atemzug einen Wettbewerb namens „Komm in die Werbung“ auszurufen. In meinen Ohren weist der Aufruf eine frappierende Ähnlichkeit zu „Komm ins Auto, Kleiner, dann kriegst du auch viele Bonbons“ auf. Liebe W&V, ich erzähle euch jetzt einmal etwas Unglaubliches: Menschen reden. Wenn Menschen schlecht behandelt werden, reden sie also mit anderen Menschen darüber, wie schlecht sie behandelt werden, wer sie schlecht behandelt und dass man sich bloß nicht schlecht behandeln lassen soll. Wenn ich also meinem Mitarbeiter abstruse Vorschriften mache und sie wie Scheiße behandle (jeder kennt diese Agenturen), verbreiten sie es überall: im Internet (Blogs, Facebook, Twitter, Foren), abends in der Bar, morgens in der Bahn.

Wenn ich als aufstrebender Kreativer davon Wind bekomme, werde ich mich doch nicht in die Agenturwelt stürzen und dabei rufen: „Missbraucht mich, ich bin jung, talentiert und doof!“ Agenturen und besonders Personaler setzen häufig auf die pure Naivität, ja Dummheit der Bewerber, um sie nach Strich und Faden zu verarschen, zu missbrauchen, auszunehmen und wegzuwerfen. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich seit einigen Jahren in der Branche tätig. Und ich rate jedem jungen Menschen dieser Welt, einen vernünftigen Beruf zu erlernen wie Fußballer oder Popstar, alles, nur werdet bloß keine Werber. Es gibt nur extrem wenige angenehme Agenturen, die meisten Arbeitsplätze in dieser Branche sind fürn Arsch.

Jedem Bewerber rate ich, sich Unverschämtheiten von Agenturen und Personalern nicht bieten zu lassen. Wer sich trotzdem verarschen lässt, trägt die Verantwortung für sämtliche Konsequenzen: Dass die unfähigen Geschäftsführer einfach so weitermachen, dass alle bis auf die da oben so miserabel verdienen, dass man irgendwann in einem Therapiezentrum in Oberammergau aufwacht und sich fragt, wie das geschehen konnte. Nach sechs Jahren bin ich endlich zufrieden mit meinem Job. Ob man diese Geduld aufbringen möchte, um eventuell am Ende doch leer auszugehen, diese Entscheidung werde ich niemandem abnehmen. Nur eines ist sicher: Die Branche wird mit dem permanenten Rumgewichse nie aufhören, denn wer würde sie ficken, wenn sie’s nicht selbst täten?

In den Fängen einer Welt

Eingetragen am Do, 4. August 2011 um 14:20:44 Uhr von Maori.

Nein, das ist nicht der neue Ken-Follett-Roman, sondern mein erster Gedanke zu Folgendem: Heute war ich mit einer Freundin und Arbeitskollegin in zwei Geschäften für Kleinkinderartikel. Also Babysachen. Dings. Jedenfalls kamen mir jede Menge neue Erkenntnisse, die ich mit Ihnen nicht teilen möchte. Obwohl. Doch, schon, sonst würde ich ja nicht schreiben. Muahaha. Scheiß die Wand an.

Erste Erkenntnis: Alle Menschen waren irgendwann mal knuffige, kleine, schreiende Babys. Sowohl Assad als auch Mubarak, sowohl Goebbels als auch Geißler. Und dann, durch ungefähr dreißig Milliarden Einflüsse, entwickeln sich alle Menschen in unterschiedlichste Richtungen, bis wir meinen, jemand zu sein, eine Person, eine Persönlichkeit, eine Ansammlung von Meinungen (wobei dieser Punkt schon wieder strittig ist, denn was ist eine Meinung, und wem gehört sie? Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Egal), der Herrscher der egozentrischen Welt, der Hauptdarsteller eines Lebens, meines Lebens, hurra, wo bleiben die verdammten scheiß Korken? In Borken. Oder so.

Zweite Erkenntnis: Markenbindung beginnt schon im Säuglingsalter. Adidas-Schühchen für fünfunddreißig Euro. Passen genau einen Monat, dann kommen die nächsten. Vielleicht für zwanzig, WSV oder eine Erkenntnis, man weiß es nicht. Aber das ist nichts Neues, mir wurde es nur wieder in Erinnerung gerufen.

Dritte Erkenntnis: Was für eine heile Welt! Die Tiere sind alle knuffig und können meistens auch noch reden. In der Babywelt existieren keine Pitbulls, die Omi das Gesicht zerbeißen, keine Haie, die unschuldigen Kindern die Arme, den Kopf oder sonst was abreißen, nein, sie kuscheln und kuscheln den ganzen Tag. Wie süß. So viel Rosa, so viel Hellblau, Plüsch ohne Ende. Ist das die Realität? Und alles, was folgt, eine unterjochende Kulisse? Wer weiß? Ich jedenfalls nicht. Ich wollte es nur mal loswerden. Und wenn Sie mal wieder von der linken Spur gedrängt werden, bedenken Sie: Jeder Porsche-Depp war mal ein knuffiger, von Plüsch und possierlichen, vom TÜV Rheinland geprüften Kuscheltieren und Rasseln umgebener Hosenscheißer. Bleiben Sie zwei, drei Sekunden länger als nötig auf der linken Spur und wechseln Sie dann gaaaaanz gemächlich auf die rechte Spur. Oder zeugen Sie ein Kind. Jetzt!

Wiedersehen macht Freude

Eingetragen am Di, 19. Juli 2011 um 10:25:43 Uhr von Maori.

Ich dachte, dass ich bei meinem neuen Arbeitgeber lediglich drei Leute kenne. Stimmt aber nicht. Eine freie Art-Geschniselerin kenne ich noch aus dem legendären Spotleid-Forum. Dort, wo die Stilikonen und Genies der Neunziger und Zweinuller aufgewachsen sind, tummelten sich lauter Designkoryphäen und Hirnis. Meistens waren das dieselben Personen, aber Schwamm drüber. Die Wahrheit ist: Die Welt ist klein. In dieser Branche tritt man sich beinahe auf die Füße, so klein ist die Scheißwelt.

Mein neuer Arbeitsweg führt mich nicht mehr an den Hafen, sondern in die Innenstadt. Eine gefährliche Angelegenheit. Nicht für meine Gesundheit, sondern für meine Finanzen. Aus disziplinarischen wie finanziellen Gründen müsste ich mir eigentlich viele Anschaffungen verkneifen. Jetzt aber lauert das Schlaraffenland vor der Nase, winkt mit allerlei Verlockungen und SALE-Schildern. Schon fliegen die Scheine über die Tresen, als gäbe es kein Morgen bzw. kein Kreditkartenlimit.

Dagegen hilft nur eins: essen. Da ich einfach nicht zunehme, kann ich mich hervorragend durch Überfressung lähmen. Dies schränkt meinen Bewegungs- wie Konsumdrang ein und ich spare Minute für Minute bares Geld. Nein, alles übertrieben, ich bin ja nicht doof. Mit ein bisschen Disziplin bekomme sogar ich es hin, mir nicht jedes schöne Etwas ins Wohnzimmer zu pflanzen. Andererseits fällt schon auf, dass die schöne bunte Einkaufswelt an Überfluss und Schwachsinn nicht zu überbieten ist. Im Grunde braucht man von dem ganzen Scheiß gar nix, echt jetzt. Das meiste Zeug befriedigt für wenige Sekunden, schon lechzt der Kopf nach der nächsten stumpfsinnigen Errungenschaft. Aber es funktioniert, und das Geld wandert dann zu Leuten, die genauso einen Scheiß machen wie unsereins. Sie halten sich für was Besseres, hauen das Geld aber ebenso für überflüssige Kacke aus dem Fenster raus, nur dass die Kacke ein wenig teurer ist als unsere. Kacke bleibt Kacke, ob pur oder vergoldet.

Was lernen wir daraus? Ähm. Ich fürchte: nix.

Spammer suchen dringend Texter!

Eingetragen am Mo, 18. Juli 2011 um 21:01:47 Uhr von Maori.

Aus der Reihe „Die schlechtesten Spams der Welt“ erreichte mich heute wieder einmal ein herausragend miserables Exemplar. Bitteschön:

Hallo Gast Visa Europe,

Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto.

Wir haben zu bestimmen,dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Für Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen. Um diese Suspension aufzuheben Klicken Sie hier und folgen Sie den Staat zur Aktualisierung der Informationen in Ihrer Kreditkarte.

Vermerk: Wenn diese nicht vollständig ist , werden wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen

Wir bedanken uns fur Ihre Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.

Dossier n : PP-1124-075-998
Danke,
Kunden-Support-Service.

Ich bin teils beeindruckt, teils entsetzt, wie manche Spammer arbeiten. Wäre ich Senior Spammer, und mir würde mein Junior Spammer oder Spam-Praktikant so eine Scheiße vorlegen, ich würde ihn hochkant rauswerfen. Mit so einem Schrott fängt man doch nicht einmal Omma Gertrud, die ansonsten gerne mal zehn Riesen an die Nigeria-Connection überweist. Wenn nicht einmal mehr auf Spammer Verlass ist, auf was denn dann in dieser entsetzlich schnelllebigen Zeit?

Wieso sind Werber so unbeliebt?

Eingetragen am Fr, 12. November 2010 um 11:24:58 Uhr von Maori.

Eine Forsa-Umfrage hat jüngst ergeben, dass in der Bevölkerung Werber ein miserables Ansehen genießen. Nein, korrekt formuliert muss es lauten: lediglich bei vierzehn Prozent der Bevölkerung gelten Werber als Menschen. Schlechter schnitten nur Versicherungsvertreter ab. Im Vergleich zur letzten Umfrage haben uns Telekom-Mitarbeiter überholt; sie rangieren immerhin bei sechzehn Prozent. Und jetzt titelt eine Werberzeitung: Alles nur Hallodris? Warum Werber so einen schlechten Ruf haben.

Abgesehen davon, dass ich seit fünf Jahren die unterschiedlichsten Werber kennen gelernt habe, müssen wir uns einmal verdeutlichen, was wir überhaupt das ganze Jahr über machen. Und was davon bei der Bevölkerung so ankommt. Alles, was beim Pöbel negativ ankommt, wird als Werbung wahrgenommen. Alles, was beim Pöbel positiv ankommt, wird als Information, Gutschein/Geschenk oder Unterhaltung wahrgenommen. Bei einer großen Boulevard-Zeitung schrieb ein Kommentator: „Ich kaufe nichts, wofür geworben wird.“ Deshalb meine Formulierung „Pöbel“, verzeihen Sie sie mir. Aber dieser Satz sagt eigentlich alles über das allgemeine Wissen in Bezug auf Kommunikation aus.

Und dann muss man sich natürlich auch noch die ganzen glattgelutschten Werberaffen angucken. Aber mal ehrlich, fast jeder Angestellte kennt den einen oder anderen Kollegen, den er nicht als leuchtendes Beispiel für seine Branche auswählen würde. Wenn ich mir so meine Arbeitskollegen ansehe, dann stelle ich fest, dass es sich überwiegend um ganz normale Leute handelt. Die einen sind absolute Heckenpenner, die anderen herzensgute Menschen. Normal halt. Ach ja, was unser Ansehen außerdem noch beschädigt: unsere Arroganz. Aber ganz ehrlich, mir ist das Ansehen meines Berufsstandes scheißegal. Hauptsache Geld, Crack und Weiber.

Pechsträhne beim Pokern

Eingetragen am Do, 9. September 2010 um 0:08:53 Uhr von Maori.

Ich gebe es zu – und alle, die mich kennen, können es bestätigen: Ich bin ein schlechter Verlierer. Außer natürlich, wenn jemand besser und cleverer spielt als ich. Als schlechterer Spieler bin ich ein guter, ein fairer Verlierer, auch das können alle, die mich kennen, bestätigen. Nun leide ich neuerdings wieder unter einer recht langandauernden Pechsträhne beim Pokern. Schon zu Beginn des letzten Jahres musste ich wochenlang eine unerklärliche und ebenso beschissene Pechsträhne ertragen, dass man sich sehr wundern musste, wieso gerade mich das Pech verfolgte, während sich die anderen mit dem Pechhaben abwechselten. Die besten Ergebnisse aus der Zeit damals waren drei oder vier verlorene A-A-Hände am Stück, gefloppte Straights, die konsequent auf dem River von Full Houses oder Flushes geschlagen wurden.

Nachdem mein Gämbelbruder Krischan für einige Wochen wirklich häufig Pech hatte, sitze ich nun seit fünf Wochen (oder so) in der Falle – sowohl online als auch offline. Die letzten Q-Q-Hände gingen allesamt verloren. Zweimal gegen Asse und einmal gegen K-J (!). Letzte Woche verlor ich einen riesigen Chipstapel mit J-J pre-flop All-in gegen 8-10 (!). Und flog dann sogar noch mit der besseren Hand vom Tisch. Heute verlor ich bereits in der ersten Hand mit 10-Q gegen 10-5 einen gewaltigen Teil des Stacks. Flop: 10-7-10. Turn: 5. River: J. Danach krallte ich mich an den Tisch, wurde aber von einer katastrophalen Hand nach der anderen belästigt, bis ich praktisch All-in gehen musste. Natürlich hatte mein Kontrahent (Krischan) Asse; da fällt einem kaum noch etwas ein.

Zweite Runde: Ich spiele brutal tight, versuche meine Gegner zu lesen (was auch ganz gut klappt), aber es kommt wieder nur eine Rotzhand nach der anderen. Ich habe noch etwa fünffachen Big Blind, die Dame neben mir erhöht auf doppelten Big Blind, ich merke ziemlich schnell, dass sie diesmal nix hat, ich habe K-Q off und gehe mit 330 All-in. Sie muss noch 210 nachlegen (!) und callt – mit 10-7. Schlechter Move, Amok-Pokern, aber wieso nicht. Sie bekommt zwei Paare und ich nix, bin vom Tisch. Mich ärgert, dass ich in Showdowns zu 80 Prozent die bessere Hand halte, ich würde sogar behaupten, zu 50 Prozent die deutlich bessere Hand (wie A-7 gegen K-7), und trotzdem verliere ich durchschnittlich, also übers Jahr gesehen, gut 40 bis 50 Prozent der Showdowns. In den letzten Wochen habe ich gut 80 Prozent der Showdowns verloren, vor allem die entscheidenden.

Manchmal habe ich einen Anflug von Selbstbeherrschung und spiele wahnsinnig diszipliniert. Lege Fallen und schnappe zu. Nur bringt das nichts, wenn ich K-10 halte, der andere K-8, der andere ist All-in, und es kommen 4-Q-7 im Flop, Turn: 6. River: 5. Was soll ich da machen? Wieder aufs Glück warten? Oder will mir das Leben gerade sagen: Junge, erarbeite dir lieber dein Glück anstatt rumzugämbeln? Ich weiß es nicht.