So schwer kann’s ja nicht sein: eine gute Brat- oder Grillwurst (in Deutschland in Hülle und Fülle vorhanden), dazu eine Currysoße aus einfachen, frischen Zutaten. Tomaten beispielsweise, Chili, Curry, Zwiebeln vielleicht noch, Gewürze, Tomatenmark und ein wenig Zucker. Keine Ahnung, muss jeder selber wissen. Aber irgendwie scheinen die Hamburger zu meinen, bei der Currywurst müsse der Curry in die Wurst und alles wäre fein. Das stimmt aber nicht. Die ersten Currywürste waren einfache Bratwürste mit Currysoße, nichts weiter. Und genau auf diese Einfachheit konzentrieren sich nur die Wenigsten.
Meine erste Hamburger Currywurst aß ich am Schulterblatt bei „Schmitt Foxy Food“, angeblich die beste Currywurst Hamburgs. Die war auch wirklich ganz ordentlich, nur sind die Qualitätsschwankungen dort für mich als erfahrenen Currywurstesser inakzeptabel. Ich möchte eine heiße Currywurst mit knusprigen Pommes, fertig, aus. Keine lauwarmen, nicht richtig geschnittenen Würste oder salzigen halbgaren Pommes.
Dann habe ich mal eine Currywurst beim Curry Grindel gegessen, angeblich die beste Currywurst Hamburgs. Die war auch recht ordentlich, nur jetzt nicht so genial, dass sich die umständliche Fahrt dort ins Niemandsland Hamburgs lohnen würde. Nun wirklich nicht. Die beste Currywurst? Wohl nur für Leute, die im Leben nicht so häufig eine Currywurst bestellen und meinen, eine Meinung zu allem abgeben zu müssen (ich denke da gerade an eine bestimmte Person, die wahrscheinlich nicht Sie sind).
Die nächste Currywurst habe ich dann beim Mö-Grill gegessen, sowohl an der Mö als auch am Jungfernstieg. Beim Jungfernstieg gibt es auch noch Pommes dazu, hurra. Ich finde die Mö-Currywürste wirklich lecker. Die Soße ist klasse, ein bisschen pikant, aber nicht wie ein trockener Arschfick, einfach mal eine saubere, leckere Sache. Nur: dieses Rumstehen geht mir jedes Mal auf den Sack. Gemütlichkeit ist etwas anderes.
Dann gibt es noch das Edel Curry. Neuerdings haben die auch eine Filiale bei meiner Arbeitsstelle um die Ecke. Dort bekommt man laut Selbstauskunft (bzw. Galileo, kein Scherz!) die beste Currywurst Deutschlands. Machen wir es kurz: Das ist schlicht und ergreifend gelogen. Die Currywurst kann mit einer typischen Ruhrpott- oder Berliner Currywurst einfach nicht mithalten, im Leben nicht. Die Wurst unterscheidet sich ein wenig von einer normalen Thüringer. Sie ist dicker, aus Kalb soweit ich mich erinnere. Die Currywurst schmeckt durchaus gut, und die Pommes sind meistens auch in Ordnung. Das Highlight ist aber die Soßenauswahl für die Pommes. Ja. Irgendwie hat man das Gefühl, beim Edel Curry geht es um die Pommes. Wat weiß ich.
Am Hauptbahnhof gibt es eine Filiale des „Currywurst Express“. Das ist eine Kette, soweit ich weiß, und häufiger an Bahnhöfen zu finden. Deshalb handelt es sich auch nicht um eine Hamburger Currywurst. Trotzdem muss ich sagen, dass sie ganz ordentliches Essen servieren. Vor einer Bahnfahrt darf es auch mal ein bisschen schneller zugehen, und hier bekommt man recht fix seinen Teller, geht schon in Ordnung, der Laden.
Mitten in der Wandelhalle im Hauptbahnhof gibt es noch einen Tresen von Hareico, dem Wursthersteller. Der serviert frisch gebrutzelte Hareico-Würste, auch Currywurst mit Pommes. Die Soße ist nicht ganz so genial, aber ebenfalls akzeptabel und durchaus okay. An die ruppige Tonart der Bedienung muss man sich erst gewöhnen, aber sie meinen es durchaus freundlich. Ist halt so in Hamburg, ne?
Irgendwann vor einigen Jahren habe ich mal eine Currywurst beim Lütt’n Grill gegessen. Für manch einen die beste Hamburgs. Lächerlich. Klar, die Wurst war riesig, aber das war’s auch schon. Die Qualität dieses Essens war besonders für die gesalzenen Preise eher eine Unverschämtheit. Daher ist es bisher bei diesem einen Besuch geblieben.
Vorhin aber war ich mit meinen Arbeitskollegen beim Curry Club. Sorry, aber es war mit Abstand die schlimmste Mittagspause seit dieser ominösen Fischgeschichte im Portugiesenviertel. Zunächst einmal schwirrte ein TV-Team des ZDF im Lokal herum (morgen Mittagsmagazin, da sind wir zu sehen). Dann war die eine Bedienung (eine Frau) etwas dusselig. Das Essen schmeckte – es tut mir leid, das so deutlich sagen zu müssen – scheiße. Geschmäcker sind verschieden, ich weiß, aber diese Soße war alles, nur nicht Curry. Indiskutabel. Sie schmeckte glutamatverseucht und viel zu streng, eher wie aufgewärmte Fischsoße aus dem Asiamarkt. Und die Pommes waren nicht durch. Außerdem waren die Fußleisten frisch gestrichen, was uns einige weiße Flecken auf unseren Jacken eingebracht hat. Wenigstens kommt der Curry Club für die Reinigungskosten auf.
Mein persönlicher Favorit bis dato: Mö. Aber für Alternativen und Tipps bin ich sehr dankbar. Hinweis dazu: Ich komme aus dem Pott, und die beste Currywurst bis dato habe ich vor 15 Jahren im Butendorfer Grill in Gladbeck gegessen. Auch für die Berliner Currywurst bin ich empfänglich, aber ich frage mich trotzdem häufig, wieso sich die Berliner auf die was einbilden. Die beste Currywurst der Welt ist sie auch nicht, und wenn ein Berliner so was sagt, dann glaube ich das erst recht nicht. So. Ach ja: Ich wüsste auch gern, welcher Hersteller die beste vegetarische Bratwurst herstellt. Alles, was ich an Tofuscheiße bisher gegessen habe, war an sich gleichwertig mit Kotze.
Nachtrag 7. November 2011:
Ich habe mir sagen lassen, der Inhaber des Curry Clubs habe sich über meinen Blogeintrag geärgert. Das wundert mich nicht, ich wäre sicherlich auch nicht glücklich darüber. Aber er sollte sich auch mal in unsere Lage hineinversetzen. Die Wurst selbst war in Ordnung, aber wie gesagt, die Soße schmeckte viel zu heftig nach irgendwelchen Aromen – und kein bisschen nach Curry. Niemandem von uns hat sie geschmeckt. Es wäre ja nicht so, dass ich hier herumhasse. Außerdem waren die Pommes nicht durch. Pommes. Die sollte man ja wohl noch hinbekommen.
Es gibt unterschiedliche Arten, wie Gäste auf so etwas reagieren können. Entweder beschweren sie sich, oder sie kommen einfach nicht mehr wieder. Wir haben uns für Variante 2 entschieden, und daran gibt es nichts auszusetzen, schreiben Sie sich das hinter die Ohren! Beziehungsweise, wir hätten uns gerne für Variante 2 entschieden, wäre da nicht die Sache mit den frisch gestrichenen Fußleisten gewesen. Und die, lieber Inhaber, haben dem ganzen ja noch die Krone aufgesetzt. Natürlich kann das mal passieren, aber wieso streichen Sie die Fußleisten vor Betriebsbeginn? Die Jacken sind ruiniert, davon eine, die im Second Hand Shop erworben wurde und nicht zu ersetzen ist. Würden Sie sich nicht aufregen? Da fehlt mir jegliches Verständnis für Ihre Reaktion. Glücklicherweise habe ich meine Jacke auf die Bank gelegt, sonst hätten Sie es jetzt mit mir zu tun – und mit mir wäre das Ganze nicht so schiedlich friedlich, besonders, wenn Sie nicht einmal kritikfähig sind.
Mich jedenfalls werden Sie jetzt auf gar keinen Fall mehr wieder sehen. Nebenbei bemerkt fand ich Sie bei unserem Besuch durchaus sehr freundlich und zuvorkommend. Wieso das jetzt in eine solche Richtung gehen muss, na ja, das werden Sie sicherlich besser wissen als ich. Aber da Sie glücklicherweise kein Monopolist sind, brauchen wir das Ganze ja nicht weiter vertiefen, nech?